Leverkusen: Fans klagen über "Affenkäfig"

Leverkusen: Fans klagen über "Affenkäfig"

Vor dem Spiel in Bremen klagen Bayer 04-Fans über die Gastunfreundlichkeit der Hanseaten. München sei am schlimmsten. "Dort ist alles auf Kommerz ausgerichtet", sagt Ulrich Wissing.

Aber nicht weit hinter dem Stadion des FC Bayern folgt in der Ungunst des Vorsitzenden der "Nordkurve 12" das Weserstadion, Spielstätte des heutigen Gegners von Bayer 04 in der Fußball-Bundesliga: Werder Bremen. Im dortigen, von Zäunen umringten Gästefanblock komme man sich "eingepfercht wie in einem Affenkäfig" vor, sagt Leverkusens Fanvertreter Wissing. Ähnlich beschränkt wie das Raumgefühl sei auch die Sicht, da mitunter Pfeiler im Weg stehen.

Ihren Unmut über die Verhältnisse in Bremen taten die Nordkurven-Vertreter in einem Schreiben kund. Darin beanstandeten sie auch, dass der Bereich für die Gäste seit dem Umbau des Stadions im Oberrang, also recht weit weg vom Spielfeld, angesiedelt ist und dass die Norddeutschen an den Tageskassen keine Tickets für den Leverkusener Bereich verkaufen. "Ich halte das für eine wirtschaftliche Entscheidung", sagt Wissing, der schätzt, dass bis zu 150 Bayer-Fans weniger nach Bremen fahren, weil es dort keine Karten mehr gibt.

Dem tritt Tino Polster entgegen. Der Pressechef von Werder Bremen bestätigte auf Anfrage, dass heute keine Tickets für den Gästeblock verkauft werden. "Das ist mit Bayer 04 verabredet, wird schon lange so gehandhabt und ist bei Spielen auf europäischer Ebene sogar Pflicht", sagt Polster. Der Grund: Sicherheitsbedenken. "Wir sind im Heimbereich restlos ausverkauft. Da ist es sehr wahrscheinlich, dass sich Werder-Fans Karten für diesen Bereich kaufen würden." Die Folge wäre eine Durchmischung des Blocks mit Anhängern beider Vereine — dieses Konfliktpotenzial wollen die Hansestädter umschiffen. "Das ist ein sehr sensibler Bereich, und da gehen Sicherheitsaspekte einfach vor", unterstreicht Polster.

764 von 1500 Gästekarten verkauft

Unterstützung erhält er vom Bayer 04-Amtskollegen Meinolf Sprink. Persönlich habe er Verständnis, dass kurzentschlossene Fans enttäuscht die Reise gen Bremen nicht antreten werden. "Aber sachlich kann ich das Vorgehen der Bremer absolut nachvollziehen", sagt Sprink. Das Gästekontigent — gut 1500 Tickets — habe lange zum Verkauf gestanden, aber es seien nur 764 Karten verkauft worden.

Wissing kann die Argumentation nicht nachvollziehen. Er wittert ein Interesse der Hausherren, mehr Tickets an Werderfans zu höheren Preisen zu verkaufen. Denn: Die Bremer können den Gästebereich im Stadion flexibel an die Zahl der Fans angepassen. "Wir hatten auch nie Theater mit Bremer Anhängern. Gastfreundlichkeit sieht anders aus", sagt Wissing, während Polster dagegenhält: "Bei uns sind alle Fans willkommen. Ist der Gästeblock ausverkauft, ist die Stimmung im Stadion ja auch noch besser."

(zill)
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