Leverkusen: Fan-Protest - friedlich bis gespenstisch

Leverkusen: Fan-Protest - friedlich bis gespenstisch

Freiheit für die Fankultur, Fans sind keine Verbrecher: Die Werkself-Anhänger skandierten markige Sprüche auf ihrem Protestzug gegen das DFL-Sicherheitskonzept. Beeindruckend irritierend: der für zwölf Minuten leere Stehplatz-Block.

Noch ehe der Protestzug zu sehen war, konnten ihn Passanten und Anwohner auf der Kölner Straße lautstark vernehmen: "Freiheit für die Fankultur" und "Fußball-Fans sind keine Verbrecher" intonierten rund 500 bis 600 Anhänger der Werkself, so die Schätzung der Polizei, neben üblichen Liedern auf ihren Lieblingsklub vor dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg bei ihrem Marsch vom Opladener Marktplatz zur BayArena. "Wir wollen ein Zeichen setzen gegen das Konzeptpapier der DFL zur Stadionsicherheit", erläuterte Ulrich Wissing, Vorsitzender des 1200 Mitglieder zählenden Fan-Dachverbands "Nordkurve 12", der die Demonstration angemeldet hatte.

"Mich stört vor allem, dass es künftig normal sein soll, dass sich Fans in Zelten oder Containern fast nackt ausziehen müssen. Das geht zu weit", betonte Bob Gebele aus dem luxemburgischen Kehlen. Um zu protestieren, hatte er seine dreistündige Hinfahrt zum Spiel um einige Stunden vorgezogen. Eine weitaus kürzere Anreise hatte Alex Klinger. Aber auch der Inhaber eines Opladener Sanitärbetriebs hatte sich angestrengt, um mitzulaufen, und war deshalb direkt von der Arbeit (noch im Blaumann) gekommen. "Mich stört, dass bei der DFL so getan wird, als sei es nicht sicher in den Stadien. Ich bin ein ganz normaler Fan und habe mich noch nie unsicher gefühlt", berichtete er.

Wissing ergänzte, seiner Meinung nach, sei es heute sogar weitaus sicherer in den Bundesligastadien als früher. "Und man muss sich auch mal verdeutlichen, was diese ganze aktuelle Sicherheitsdiskussion letztlich ausgelöst hat: Ein friedlicher Platzsturm in Düsseldorf", betonte er. Ganz wichtig war ihm, darauf hinzuweisen, dass es bei der Fan-Demo ausschließlich um den Erhalt der Fankultur ging und nicht etwa darum, möglicherweise für verbotene Pyrotechnik einzustehen.

So lautstark der Protest bis zur BayArena verlief, so still wurde er zunächst im Stadion umgesetzt. In einem bis auf eine Handvoll Fans menschenleeren Stehplatzblock (auch einige Plätze in den angrenzenden Blöcken blieb leer) waren demonstrative zwölf Minuten und zwölf Sekunden lang (in Anlehnung an den 12.12., an dem über das Konzept abgestimmt werden soll) nur zwei Transparente zu lesen: "Wollt ihr das?" und "Unser Weg ist noch nicht zu Ende. Fankultur wird keine Legende" war darauf zu lesen. Die Nürnberger Anhänger standen zwar im Gästeblock, schwiegen jedoch. So war die Atmosphäre für etwas mehr als ein Dutzend Minuten beinahe gespenstisch. Außer Gemurmel und hin und wieder einem Applaus oder rhythmischem Klatschen war nichts zu hören. Umso stärker der Kontrast zur Atmosphäre nach dem symbolischen Fanstreik, als zunächst die Nürnberger und — mit leichter Verzögerung (weil sie erst in den Block kommen mussten) — auch die Bayer-Fans lautstark ihre Teams anfeuerten. "Ein tolles Signal", schwärmte Wissing.

(kre)
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