Familienkonzert in Leverkusen

Familienkonzert : Leben und Musik eines Genies

Familienkonzert in der Christuskirche beschreibt Leben und Werk des Komponisten Ludwig van Beethoven. Grundschulkinder singen mit.

In seinen letzten Lebensjahren war Ludwig van Beethoven bekanntlich völlig taub, aber kein bisschen altersmilde, sondern recht starrköpfig. Die Uraufführung seiner neunten Sinfonie wollte er unbedingt selbst dirigieren. Um das befürchtete Chaos im Orchester zu vermeiden, trickste man den Komponisten aus und ließ in seinem Rücken einen zweiten Musiker dirigieren. Wie das ausgesehen haben muss, das erlebten die Besucher des Familienkonzerts in der vollen Christuskirche.

Da stand Kaspar Dedy von der Freien Theatergruppe des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums als Beethoven direkt vor dem Streichorchester der Musikschule Leverkusen, das geflissentlich ignorierte was er in die Luft pinselte, sondern schön nach dem Schlag ihres Leiters Klaus Müller spielte. Und in diesem Fall war sogar noch ein dritter Dirigent an Bord. Weil nämlich die Stadtkantorei, die den bekannten Schlusschor „An die Freude“ sang, auf der Empore Platz genommen hatte, übersetzte Kirchenmusiker Bertold Seitzer das Dirigat für seine Sänger. Nicht für alle, denn auch unten wurde mitgesungen von den Kindern der GGS Morsbroicher Straße und dem Jekiss-Chor der KGS Burgweg.

Ein Sänger und mehrere Instrumentalschüler der Musikschule traten auf. So bekam man auch ein Gespür für die Vielfalt des Schaffens von Ludwig van Beethoven, der nicht weit entfernt in Bonn aufgewachsen ist. Kurze Szenen der Schauspieltruppe warfen Schlaglichter auf einige Lebensstationen, gefangen mit der Kindheit, die durch den trinksüchtigen Vater und den frühen Tod der Mutter geprägt war. Klavierlehrer Christian Gottlob Neefe, den man im Gespräch über den begabten kleinen Beethoven mit seiner Frau belauschen konnte, verschaffte dem 13-Jährigen die erste Stelle als Organist beim Kurfürsten. Und später kam der berühmte Haydn, den Ludwig ebenso verehrte wie Mozart und Bach, und holte den jungen Musiker nach Wien, um ihn zu unterrichten.

Man erfuhr vom Beginn der Schwerhörigkeit Beethovens und von seinem Umgang mit dem weiblichen Geschlecht, von Liebeskummer, den er in seine sehnsuchtsvolle (Mondschein-)Klaviersonate Nr. 14 goss. Oder von seiner Idee, das in Musik zu fassen, was er beim Spaziergang der Natur abgelauscht hatte (zwitschernde Vögel, Kuckucksruf und ein rauschender Bach in der kleinen Passage aus der 6. Sinfonie „Pastorale“) und natürlich jene bekannte Melodie, die man auch als Handy-Klingelton herunterladen kann, „Für Elise“. Ein ebenso lehr- wie abwechslungsreiches und kurzweiliges Konzert für kleine und große Leute.

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