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Leverkusen/Langenfeld: Familien-Banden stehlen Wohnwagen

Leverkusen/Langenfeld : Familien-Banden stehlen Wohnwagen

2017 betrug der Schaden allein in NRW 7,8 Millionen Euro. LKA empfiehlt Ortungssystem - oder Reifen abmontieren.

Die Polizei hat in Langenfeld drei mutmaßliche Caravan-Diebe festgenommen. Die Männer wurden auf frischer Tat erwischt, als sie in der Nacht versuchten, in einer Sackgasse einen verschlossenen Wohnwagen zu knacken. Ein Zeuge alarmierte die Polizei, die die Verdächtigen in Tatortnähe festnahm. Sie sind 17, 20 und 23 Jahre alt und sollen aus Köln kommen. Genauere Hintergründe zu den Männern wollte die Polizei nicht nennen. Auch die Frage, ob sie für weitere Delikte verantwortlich sind, bliebt unbeantwortet. Doch zeigen umfangreiche und länger währende Ermittlungen die Wege der Diebe.

Der Diebstahl von Wohnwagen ist offenbar ein lohnendes Geschäft - zumindest aus Sicht der Täter. 2016 (Januar bis Ende November) zählte das Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen 122 Fälle. 2017 (Januar bis Dezember) hat sich die Zahl der Caravan-Diebstähle bereits auf 345 nahezu verdreifacht, bestätigt LKA-Sprecher Mario Lorenz. Er beziffert den Schaden auf 7,891 Millionen Euro. Das sind nur die Zahlen für NRW. Wohnwagen-Diebstahl ist ein bundesweites Phänomen.

Wie viele Caravans wurden bereits in diesem Jahr in NRW gestohlen? Dazu könne keine Aussage gemacht werden, weicht der Kriminaloberkommissar aus. Auch nicht dazu, wie viele Täter festgenommen und verurteilt wurden. Aber es reicht ein Blick in die öffentliche Polizeimeldungen: Alle paar Tage wird irgendwo in Deutschland ein Wohnwagen entwendet. In der Nachbarstadt Langenfeld hatte es im vergangenen Herbst eine Diebstahlserie auf einem Reusrather Abstellplatz gegeben. Betroffen waren auch Besitzer aus Leverkusen. Dabei hatten sich die Diebe offenbar auf Fahrzeuge der Marke Fendt spezialisiert. Insgesamt gab es sieben Diebstähle in Langenfeld, bevor sich die Serie dann Ostern fortsetzte. Erneut wurde ein fabrikneuer Wohnwagen des Typs Fendt 495 gestohlen. Schätzwert: 30.000 Euro. Im Kreis Mettmann wurden in diesem Jahr mindestens drei Caravans entwendet, 22 in 2017.

"Dieses Kriminalitätsphänomen gewinnt an Bedeutung", hat der neue Chef des LKW-NRW, Frank Hoever, im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur bestätigt. Die Täter flüchteten "völlig rücksichtslos und mit brachialer Gewalt". In einzelnen Fällen hätten sie während einer Verfolgungsjagd die Wohnwagen abgehängt. Das geschah am 20. September vergangenen Jahres in Solingen. Als die Polizei nachts ein Wohnwagengespann überprüfen wollte, gab der Fahrer Gas und raste davon. Mit über 100 km/h fuhr er über rote Ampeln. Schließlich koppelte einer der Diebe den gestohlenen Caravan ab - in voller Fahrt. Der Wohnanhänger blieb abrupt stehen. Ein Streifenwagen konnte gerade noch ausweichen. Die Diebe entkamen mit einem Audi mit Kölner Kennzeichen über die A 3.

Wer sind die Täter? "Im Wesentlichen stehen britisch/irische oder serbisch/kroatisch dominierte Familienverbände im Fokus", sagt Mario Lorenz. Für die Polizei handele es sich nicht um organisierte Kriminalität, sondern um Bandendiebstahl. Daneben gebe es aber auch Täter mit deutscher, rumänischer oder polnischer Staatsangehörigkeit. "Es gab einzelne Festnahmen, die auf irische Landfahrer hinweisen", sagt LKA-Chef Frank Hoever: "Wir haben zudem gestohlene Wohnwagen auf der Insel wiedergefunden und Videoaufnahmen zeigen, dass die Wohnwagen an Autos mit Rechtslenker hängen, wenn sie gestohlen werden."

Die kriminellen Familienverbände kommen für eine bestimmte Zeit nach Deutschland. Um ihre Lagerplätze herum häuften sich dann Straftaten (Diebstahl, Ordnungswidrigkeiten, Ruhestörung), berichtet Lorenz. Dann verzögen sich die Clans über die Grenze, vornehmlich nach Belgien oder in die Niederlande. Dort konnte die Polizei auch vereinzelt gestohlene Caravans sicherstellen. Die genauen Absatzwege der Beute im Ausland kennt das LKA nach eigenen Angaben nicht. Man geht davon aus, dass die irisch/britischen und serbisch/kroatischen Gruppen einen Teil der gestohlenen Wohnwagen selbst nutzen. Das könnte auch erklären, warum bevorzugt Caravans der Marke Fendt gestohlen werden. Sie gilt als "Mercedes" unter den Wohnwagen. Camping Krings (Mönchengladbach/Düsseldorf) ist einer der drei führenden Fendt-Händler in Deutschland. "Unser Firmengelände ist gesichert wie Fort Knox", berichtet Geschäftsführer Bernd Kaminiski. Er kennt Kunden, denen schon zweimal ein Fendt gestohlen wurde: "Die entscheiden sich dann lieber für ein anderes Fabrikat."

Tipp für einen sehr kostengünstigen und dennoch effektiven Diebstahl-Schutz hat Kriminaloberkommissar Mario Lorenz: Einfach die Reifen abmontieren.

(RP)