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„Falsche Polizisten“ waren echt – Strafe für Leverkusener

Leverkusener vor dem Amtsgericht : „Falsche Polizisten“ waren echt – Strafe nach Faustschlag

Die Polizei warnt immer wieder vor falschen Polizisten. Doch diesmal waren sie echt. Dass will ein Leverkusener (50) nicht erkannt haben, als er an der Wohnungstür mit der Faust zuschlug und einen Beamten im Gesicht traf. Den Richter überzeugte diese Rechtfertigung nicht.

Die vielen Meldungen um Betrüger, die sich als Polizisten ausgeben, haben offenbar Spuren hinterlassen. Das behauptete ein Leverkusener vor dem Amtsgericht.  Echte Beamte wollten am 14. Juni 2020 mit Beschluss seine Wohnung durchsuchen. Doch  ließ er die Polizisten nicht in seine vier Wände. Er wehrte sich so sehr, dass sich einer der Beamten verletzte. Wegen dieses handfesten Widerstands musste er jetzt vor Gericht.

Laut Anklage versuchte er, die Tür schnell wieder zuzumachen, als er erkannte, dass es sich um Polizisten handelte. Als ihm das nicht gelang, schlug er einem der Beamten mit der Faust ins Gesicht und setzte Schläge gegen den Körper. Neben einer Platzwunde trug das Opfer ein Schleudertrauma davon.

Der Angeklagte widersprach den Anschuldigungen: „Die Angaben sind nicht korrekt.“ Er habe die Situation nicht erfassen können, sei vom plötzlichen Auftreten der Polizeibeamten überrascht gewesen. Er glaubte, drei Männer wollten  in seine Wohnung gelangen. Dass es sich dabei um Polizisten handelte, habe er erst nicht erkannt, dann nicht geglaubt.

  • Altstadtreportage

Fotograf: Christoph Goettert
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Zu diesem Mistrauen tragen nach Angaben des 50-Jährigen die Meldungen über falsche Polizisten bei. „Wir hatten auch schon Malteser und Leute vom Roten Kreuz vor der Tür, die sich dann als falsch erwiesen“, berichtete er. Die Faustschläge habe es nicht gegeben. Als er die Tür schließen wollte, lehnten sich die Beamten dagegen. Dabei sei seine Hand von der Tür abgerutscht. Vielleicht habe das den Treffer verursacht, mutmaßte der Beschuldigte. Insgesamt habe die Szene nur einige Sekunden gedauert.

Die als Zeugen vernommenen Beamten sagten aus,  den Faustschlag habe es sehr wohl gegeben. „Ich bin jetzt 40 Jahre im Dienst – ich kenne den Unterschied“, sagte der damals verletzte Mann.Laut den Polizisten hatte der Angeklagte keinen Grund, an ihrer Echtheit zu zweifeln. Zwei von ihnen waren uniformiert, einer hielt seinen Ausweis vor.

Die Staatsanwältin sah das ebenso. Sie forderte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe. Das Plädoyer gefiel dem Verteidiger nicht. „Mir ist gerade alles aus dem Gesicht gefallen“, betonte er, und sagte, sein Mandant habe aus einem Irrglauben heraus gehandelt. Er forderte Freispruch. Die Polizisten seien „gewalttätig“ gewesen.

Der Richter verhängte die geforderte Bewährungsstrafe. Zudem muss der Angeklagte 1500 Euro an die Kindernothilfe zahlen.