Fake-Arline aus Leverkusen verkauft falsche Flugtickets

Schweizer „Reklamationszentrale“ schlägt Alarm: Fake-Airline mit Sitz in Leverkusen betrügt Urlauber

Eine Fake-Fluggesellschaft hat im Netz Tickets für Flüge verkauft, die nie stattgefunden haben. An der Leverkusener Adresse, wo der Firmensitz sein soll, ist die Airline unbekannt. Eine Schweizer Verbraucherschutzgesellschaft schlägt jetzt Alarm.

Es hätte so schön sein können. Der Flug von Basel nach Pristina war bis zu 40 Prozent günstiger, als bei den anderen Airlines. Also buchten Familien aus der Schweiz die Flüge in die Ferien bei „Germany Airlines“. Was sie nicht wussten: Eine solche Airline gibt es nicht. Nun hoffen sie, dass sie das Geld, das sie auf ein Schweizer Konto überwiesen haben, zurückbekommen.

Reto Puma von der „Reklamationszentrale“ aus Zürich bestätigt: „Wir wissen inzwischen, dass mehr als 30 Strafanzeigen in dieser Angelegenheit gestellt wurden.“ Mehr als 50 Betroffene hätten sich inzwischen bei der privat finanzierten Verbraucherschutzgesellschaft oder der schweizerischen Zeitung „Blick“ gemeldet.

Puma beschreibt die Masche so: „Die Website dieser Airline ist sehr professionell gemacht. Es gibt dort ein aufwändiges Buchungstool, das durchaus funktioniert.“ Selbst echt wirkende Tickets hätten die Verbraucher erhalten. Die weitere Kommunikation lief über die Messenger-App „Viber“. Und da habe es dann stets nach dem gleichen Muster zwei Tage vor dem geplanten Abflug geheißen: „Der Flug wurde annuliert“. Es wurden zwar Rückerstattungen oder neue Tickets angeboten, doch erreicht habe die Familien davon nichts. Telefonisch seien sie vertröstet worden.

Die Website germanyairlines.net zeigte in ihrem Buchungssystem verschiedene Flüge nach Pristina an. Inzwischen ist der Inhalt der Seite gelöscht. Foto: Anja Wollschlaeger

Inzwischen warnt die Reklamationszentrale vor der Airline. Die Presseabteilungen der Flughäfen in Basel und Düsseldorf bestätigen beide, dass die Airline dort noch nie abgehoben ist.

Urs Holderegger vom schweizerischen Bundesamt für zivile Luftfahrt schreibt in einer E-Mail dazu: „Es gibt keine Fluggesellschaft unter diesem Namen.“

Ein Blick in das frühere Impressum der Website lenkt den Blick nach Leverkusen. An der Anschrift Friedrich-Ebert-Straße 126 soll die Fluggesellschaft ihren Sitz haben. Dort gibt es ein mehrstöckiges Gebäude. Im Erdgeschoss ist ein Restaurant untergebracht. Gäste sitzen am Mittwoch im Freien und lassen sich ihr Mittagessen schmecken. Der Wirt schüttelt mit dem Kopf. Auch die Angestellten bestätigen: „Hier hat es nie eine Fluggesellschaft gegeben. Das müssen Betrüger sein.“

Bei der Staatsanwaltschaft in Duisburg ist der Geschäftsführer der Airline jedenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Oberstaatsanwalt Stefan Müller sagt: „Wir haben ein Verfahren gegen den Herrn und er sitzt zur Zeit in Untersuchungshaft.“ Er konnte jedoch keine Aussage darüber treffen, ob diese Untersuchungshaft im Zusammenhang mit den Angeboten von Germany/Germani Airlines steht.

Auf einer der Webseiten, die Germany Airlines betrieben hat, ist inzwischen praktisch kein Inhalt mehr zu sehen. Doch, Reto Puma weist darauf hin, dass eine sehr ähnlich aufgebaute Seite einer Firma „GermaniAirways“ weiterhin noch Flüge anbietet. Sie wirbt mit dem Slogan: „Germani Airways ist ein zuverlässiger Partner für Charterflüge von der Deutschland nach Kosovo.“

Unter dem Titel „germaniairways“ ist eine Seite der angeblichen Firma „ Germani Airways GmbH“ zu finden. Die Ähnlichkeit zur realen „Germania“ ist offensichtlich. Foto: Anja Wollschlaeger

In erster Linie in albanischer Sprache werden dort Flüge angeboten. Skeptisch müssen die Nutzer dabei an einer Stelle werden: Statt der bekannten - und real existenten - Airline „Germania“ bietet hier eine „GermaniAirways“ ihre Dienste an. Das fehlende „a“ kann dabei leicht übersehen werden, ähneln doch Aufmachung und Farbgebung die Gesellschaft aus Berlin. Die reale Germania wehrt sich gegen Verwechslungen.

Die „Reklamationszentrale“ sammelt derzeit weitere Fälle. Ein Informationsblatt für Geschädigte sei in Arbeit, erläutert Puma. Die Firma, die anders als die deutsche Verbraucherzentrale nicht gemeinnützig organisiert ist, arbeitet mit Rechtsanwälten und einer Rechtsschutzversicherung zusammen und versteht sich als „unabhängige Beschwerdestelle“. In diesem Fall, bestätigt Rechtsanwalt Nicolas Cámara, habe er den Geschädigten geraten, ein Strafverfahren einzuleiten und aus wirtschaftlichen Gründen auf einen Rechtsanwalt zu verzichten. Anders als im deutschen Recht könne in der Schweiz ein Entschädigungsanpruch auch im Strafverfahren geklärt werden.

(woa)