Leverkusen: Facetten der Heiterkeit

Leverkusen: Facetten der Heiterkeit

Das K-Eins-Publikum schien zufrieden mit einem runderneuerten Kabarettistin Fritz Eckenga, der jetzt beim Gastspiel hinter die Fassade seiner lauten und selbstbewussten Kunstfiguren schauen ließ.

Ton ab zum blau unterlegten Bühnenlicht und für einen Augenblick wird die winzige Kleinkunstbühne in der Kolonie Eins zur Außenstelle der Berlinale. Zum glorreichen Soundtrack von Star Wars tritt der Held im schwarzen Zottelfell auf. Doch der hat bereits den Kopf beziehungsweise die schwarze Maske unter dem Arm. Was für ein Gegensatz zu dem schmächtigen Kerl, der in diesem Kostüm steckt und mit stockender Stimme sein tiefstes Problem gesteht: Lampenfieber. Mit Entspannungstechniken hat er es schon versucht, weiß wie wichtig eine gute Atmung ist. Oder eben Rauchen, da atmet man schließlich immer tief und regelmäßig. Aber die Zeiten, in denen man sich ungeniert auf offener Bühne eine anstecken konnte, sind längst vorbei.

Also stammelt er weiter, dieser schüchterne und sensible Fritz Eckenga, dessen Auftritt so gar nicht mit der Erinnerung an den derben Bademeister übereinstimmt, der mit Trillerpfeife und donnerndem Ruhrpottslang am Beckenrand für Ordnung sorgte. An seine Aufstiegszeiten im kabarettistischen Geschäft, die das Publikum regelmäßig am Radio verfolgen konnte, erinnert er zwar mit einigen Kostproben im neuen Programm, das allerdings mehr stillere Momente des Nachdenkens hat und manchmal geradezu philosophisch wird. Und so gab es zwischen herzhaften Lachern auch weniger vordergründige Facetten der Heiterkeit bei dieser Vorpremiere zum Bühnenprogramm 2018 "Nehmen Sie das bitte persönlich", das griffbereit als Manuskript auf dem Tisch liegt, von dem der Kleinkünstler aber gerne abzuweichen scheint, um beispielsweise laut über die Rollenverteilung in der ausverkauften Kolonie Eins nachzudenken. Wer ist eigentlich für wen da? Das Publikum für den Solisten oder umgekehrt? Oder wer ist wichtiger?

Und da ist er schon bei den grundsätzlichen Fragen des Lebens wie der nach der Henne und dem Ei. In Leverkusen seien die Leute ja noch froh, wenn sie Besuch bekommen, baut er ein wenig Lokalkolorit ein. Andererseits: "Sie sind ja meine Ernährer." Und mit denen hat er es heute gar nicht mehr so leicht. "Nachher disliken Sie mich", hinterlassen auf Bewertungsportalen wie "Comedycheck.de" vernichtende Schmähkritik. Das Publikum sei anspruchsvoll geworden und verlange bei Nichtgefallen das Eintrittsgeld zurück. An dieser Stelle hielt Veranstalter Udo Gerling aus dem Kulturbüro ganz hinten im Raum die Kasse gut fest.

Das K-Eins-Publikum aber schien durchaus zufrieden mit diesem runderneuerten Fritz Eckenga, der hinter die Fassade seiner lauten und selbstbewussten Kunstfiguren schauen lässt. Der über traumatische Erlebnisse seiner eigenen Kindheit, fernab von großbürgerlichen Verhältnissen spricht. Aufgewachsen im Zigarettenqualm der quarzenden Eltern und in einem Zimmer mit dem Lieblingsopa, nach dessen Tod ein kleines Schwesterchen auf die freigewordenen zwei Quadratmeter geschoben wurde. Ein Fritz Eckenga, der aber durchaus von einer Sekunde auf die andere in die bekannten Rollen schlüpfen kann und dann etwa im vertrauten Tonfall fordert: "Da kannste dann mal 'ne Viertelstunde drüber nachdenken! Viertelstunde, das schaffst du schon."

(mkl)