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Experte: Luft in Leverkusen teils schlechter als in Peking

Veranstaltung der Bürgerinitiative „Lev muss leben“ : Experte: Luft in Leverkusen teils schlechter als in Peking

Eines ist klar: Die Luft in Leverkusen muss besser werden. Und zwar deutlich. Folgt man den Ausführungen des Umweltexperten Axel Friedrich, ehemaliger Leiter der Abteilung Verkehr und Lärm im Umweltbundesamt, dann stellt sich die Lage noch schlechter dar als etwa an einer vielbefahrenen Hauptstraße in Peking.

Beim jüngsten Infoabend der Bürgerinitiative „Lev muss leben!“ trat der Experte mit dem Leverkusener Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach auf, als Arzt und Epidemiologe ebenfalls ein Kämpfer für bessere Lebensbedingungen. Übrigens Seite an Seite mit dem Bürgerlisten-Fraktionschef Erhard Schoofs. Sie hatten zum Thema „Saubere Luft für unsere Stadt“ in den Agamsaal des Forums geladen. Vorweg: Das Interesse fiel bescheiden aus. Schoofs beklagte die Resonanz, nach seiner Zählung kamen lediglich rund 50 Zuhörer, die nicht in der Initiative engagiert sind. Vor allem hätten sich Ratsmitglieder und Mitglieder des Umweltausschusses durchaus einmal aus erster Hand vom Experten Friedrich erklären lassen sollen, wie ernst die Lage in ihrer Stadt tatsächlich ist. meinte er. Friedrich hatte sich am Nachmittag mit seinen sensiblen Messgeräten an der Gustav-Heinemann-Straße postiert, genau da, wo das Landesumweltamt mit seinen Apparaturen automatisch Überprüfungen vornimmt.

Aber: Diese Landes-Anlage prüft nicht die ultrafeinen Partikel, die besonders gefährlich für die Gesundheit sind. Ultrafein heißt, dass sie kleiner sind als 2,5 Nanometer. Sie sind so klein, dass man sie nicht einmal mehr wiegen kann, sondern sie werden als Teile in einem bestimmten Volumen gemessen. Sie sind unerwünschte Produkte, die etwa durch Verbrennungsmotoren erzeugt werden.

Da ist Leverkusen mit seinem enormen Verkehrsaufkommen allein durch die drei Autobahnen geradezu Brutstätte für die Teilchen, die besonders kleine Kinder und ältere Menschen gefährden, wie Lauterbach ausführte. Und ergänzte: Die Teilchen arbeiteten sich durch alles durch, im menschlichen Körper bis in kleinste Verästelungen, richteten im Gehirn Schäden an, Kinder würden in ihrer Entwicklung behindert, bei Älteren träten vermehrt Krankheiten wie Alzheimer auf.

Axel Friedrich hat einen Wert von 30.000 Partikeln auf einen Kubikzentimeter gemessen. Das sei mehr als in Peking. Für den Umweltexperten ist das ein dramatischer Wert. Dabei könnte schnell gehandelt werden, wenn etwa Busse mit entsprechenden Filtern ausgerüstet würden. In Berlin habe man damit in kurzer Zeit signifikante Verbesserungen erreicht, berichtete er. Daran wollte eine Zuhörerin nicht glauben. Sie merkte an: Seit Jahren werde das Thema „Schlechte Luft“ diskutiert, zwischendurch gebe es Veranstaltungen wie diese. Doch es passiere nichts, was man besonders in Leverkusen sehe. Ein langer Tunnel für die Autobahn A 1 unter den Rhein habe von Anfang an keine Chance auf Verwirklichung gehabt.