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EVL übernimmt Versorgung für Leverkusener Kunden von gas.de

Stadt-Unternehmen springt ein : EVL übernimmt Versorgung für Leverkusener Kunden von gas.de

Der Gasanbieter gas.de hat vergangene Woche kurzfristig alle Erdgaslieferverträge zum 3. Dezember beendet. Für alle Kunden von gas.de im Leverkusener Netzgebiet garantiert die Energieversorgung Leverkusen (EVL) seitdem eine unterbrechungsfreie Belieferung, berichtet der stadteigene Versorger.

Diese Leistung nennt sich Ersatzversorgung. Da die EVL der Grundversorger in der Stadt ist, springt sie automatisch ein und sichert so für mehrere hundert Betroffene in der Stadt die Gasversorgung. „Alle ehemaligen Kunden von gas.de werden zurzeit in einem Schreiben über die Situation informiert“ heißt es in einer Pressemitteilung. Diese Leistung habe die EVL in der Vergangenheit auch nach Insolvenzen anderer Strom- und Gas-Wettbewerber wie Teldafax übernommen. Zuletzt war die EVL vor rund drei Jahren nach einer Welle von Insolvenzen einiger Stromanbieter wie Deutsche Energie GmbH oder BEV Energie eingesprungen.

Der Versorger gas.de sieht sich laut Unternehmens-Homepage „aufgrund der historisch einmaligen Preisentwicklung im Erdgasmarkt“ zu diesem Schritt gezwungen. „Zuletzt hat sich der Gaspreis für Lieferungen in der kommenden Winterzeit auf den Beschaffungsmärkten in der Spitze um mehr als 400Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht“, teilt das Unternehmen auf seiner Website weiter mit.

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Die drastische Preisentwicklung an den Energiebörsen führt – neben der steigenden CO2-Steuer – auch bei der EVL zu einer Erhöhung der Erdgaspreise zum 1. Januar 2022. Den Spitzen an den Beschaffungsmärkten wirkt der Grundversorger aber mit einer langfristigen Beschaffungsstrategie entgegen. „Wir kaufen unser Gas zu verschiedenen Zeitpunkten in Teilmengen und zum Teil Jahre im Voraus am Terminmarkt ein“, sagt Thomas Eimermacher, kaufmännischer Geschäftsführer der EVL. „Starke Veränderungen bei den Börsenpreisen wirken sich daher nicht unmittelbar und nicht 1:1 auf den Preis für Endkundinnen und -kunden aus.“

Die EVL erklärt das Geschäftsgebahren so: Neben den mit langfristiger Beschaffungsstrategie am Markt agierenden Energieversorgern gibt es auch Wettbewerber, die sich das Gas kurzfristig am sogenannten Spotmarkt besorgten. Das lohnt sich vor allem in Zeiten niedriger Gas-Börsenpreise. So war die Kilowattstunde Gas 2020 am Spotmarkt durchschnittlich mehr als vier Cent günstiger als am Terminmarkt. Kampfpreise, bei denen die langfristigen Einkäufer nicht mithalten können, werden so möglich. In diesem Jahr ist die Kilowattstunde aber aufgrund der drastischen Preisentwicklung am Spotmarkt im Vergleich zum Terminmarkt mehr als neun Cent teurer. „Energieversorger, die jetzt nicht langfristig eingekauft haben, müssen die Gaspreise für die Kunden entweder stark erhöhen und Kundenverluste einkalkulieren oder den Vertrieb direkt einstellen, um nicht in die Insolvenz zu gehen“, schreibt die EVL.   „Die kurzfristige Beschaffungsstrategie ist eine Wette auf niedrige Spotmarkt-Preise und daher augenscheinlich kein Geschäftsmodell, das langfristig funktionieren kann“, so Eimermacher weiter.

(bu)