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Leverkusen: Euskirchen zeigt: "Bomben sind unberechenbar"

Leverkusen : Euskirchen zeigt: "Bomben sind unberechenbar"

Das hatte für Aufsehen in den 80er Jahren gesorgt: Auf der Bayer-Deponie musste eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Ein Lkw-Fahrer hatte sie dort abgeladen, nachdem er mit ihr quer durch Wiesdorf gefahren war. Aufgetaucht war sie unweit des St. Josef-Krankenhauses. "Damals musste glücklicherweise das Krankenhaus nicht evakuiert werden", berichtet Michaele Drescher, Leiterin des Fachbereichs Recht und Ordnung. Das Geschehen in Euskirchen, wo Ende vergangener Woche eine britische Landmine aus dem Zweiten Weltkrieg in Bauschutt explodiert war, hat Drescher verfolgt. "Die Lehre, die wir daraus ziehen, ist, dass Bomben noch immer sehr gefährlich sind und nicht berechenbar."

Das fängt bereits bei der Frage an, wo in Leverkusener Boden noch Sprengkörper ruhen, die möglicherweise jederzeit hochgehen könnten. Eine Frage, die wie wohl für viele deutsche Städte auch für Leverkusen nicht eindeutig beantwortet werden kann. "Es werden wohl noch Bomben unter der Stadt liegen. Die Frage ist immer: Wo?", sagt Drescher.

Luftaufnahmen Leverkusens aus dem Zweiten Weltkrieg seien beim Kampfmittelräumdienst in der Bezirksregierung Düsseldorf gelagert. "Jeden Bebauungsplan, der in der Stadt akut wird, schicken wir zum Kampfmittelräumdienst. Der gibt dann Rückmeldung", versichert Drescher. Falls die Experten bei der Überprüfung des jeweiligen Areals etwa mithilfe der Luftaufnahmen auf Anhaltspunkte stießen, "wird das Gelände untersucht — per Detektion oder Bohrung das ist abhängig vom Einzelfall", erläutert Drescher.

Und in den vergangenen mehr als 20 Jahren, in denen sie im Fachbereich Recht und Ordnung arbeite, seien Bombenfunde in der Stadt "glücklicherweise" nur Einzelfälle gewesen. 2010 hat es einen Bombenfund nahe der Werkstättenstraße gegeben — 700 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen, die Bombe wurde vor Ort gesprengt. Sie war bei Erdarbeiten für Versorgungsleitungen in rund 80 Zentimetern Tiefe entdeckt worden. Zwei Jahre zuvor musste eine Fünf-Zentner-Bombe auf dem Freibadgelände an der Talstraße entschärft werden. 1300 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. In Hitdorf war im September 2012 in einem Vorgarten eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg aufgetaucht. "An der Wupper schon knapp auf Leichlinger Gebiet ist auch mal Streumunition aufgetaucht. Sie aufzuspüren war mühselig", berichtet Michaele Drescher.

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Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssen bei Bombenfundalarm zum Fundort ausrücken, etwa um Absperrmaßnahmen einzuleiten und eine eventuelle Evakuierung in Absprache mit Polizei und Kampfmittelräumdienst zu organisieren, "Busse bestellen, dafür sorgen, dass Menschen, die ihre Wohnung verlassen müssen, eine Unterkunft haben. Damals an der Talstraße sind die Anwohner im Berufskolleg Stauffenbergstraße versorgt worden", merkt die Stadtmitarbeiterin an.

Notfalls könne das Ordnungsamt bei Menschen, die partout nicht aus ihrer Wohnung wollten, das Verlassen mithilfe der Polizei erzwingen. "Aber das ist bisher in Leverkusen noch nicht vorgekommen. Die Leute sind sehr kooperativ gewesen."

Eine Notfallübung "Bombenfund" gibt es bei der Stadtverwaltung nicht, aber "der Krisenstab spricht das in der Theorie durch. Bisher haben die Einsätze immer gut geklappt."

(RP)