Erster Schultag in Leverkusen

Erster Schultag : Rote Karte für rücksichtslose Raser

Die GGS Im Kirchfeld nimmt „Helikopter-Eltern“ bei der Schulauftakt-Aktion den Wind aus den Segeln.

„Da hat jemand gerade gar nicht geblinkt!“, ruft ein aufmerksamer Schüler der Grundschule im Kirchfeld aufgeregt, zückt eine seiner roten Pappkarten und winkt den Autofahrer in die Haltezone am Straßenrand. Nach einer kurzen Ermahnung und dem Hinweis auf sein Fehlverhalten darf der Angehaltene seine Fahrt fortsetzen.

Auch andere Mitschüler haben sich am ersten Schultag nach den Sommerferien die gelbe Warnweste angezogen und nehmen die passierenden Autofahrer auf der Von-Knoeringen-Straße in Lützenkirchen besonders genau unter die Lupe. Zusammen mit  Verkehrswacht, Stadtverwaltung, Polizei und Oberbürgermeister Uwe Richrath fordern die kleinen Verkehrsaufseher Fahrer und vor allem „Elterntaxis“ zu einem rücksichtsvollen Fahrverhalten auf.

Die Grundschule Im Kirchfeld wurde aufgrund ihrer Lage und ihrer besonderen verkehrstechnischen Probleme von der Polizei für die Schulauftaktaktion 2019 ausgewählt. Dass sich viele Verkehrsteilnehmer an Zebrastreifen sowie Park- und Haltemöglichkeiten rund um die Schule nicht richtig verhalten, kritisiert auch Schulleiterin Judith Husmann: „Oft ist der von beiden Seiten befahrbare Lehrerparkplatz so blockiert, dass es weder vor noch zurück geht. Da helfen auch die absperrenden Hütchen auf der einen Seite des Nadelöhrs nichts. Die werden von manchen Eltern regelmäßig einfach bei Seite geräumt. Dabei gibt es ein paar Meter weiter eine Haltezone.“

An der Lützenkirchener Grundschule befinden sich bereits zwei solcher „Hol- und Bringzonen“, die nicht direkt vor dem Schuleingang und somit nicht im absoluten Halteverbot liegen. Trotzdem kommt es während der morgendlichen Hauptverkehrszeit oft zu gefährlichen Situationen. „Es ist zum Glück noch nie ein schlimmer Unfall passiert. Damit das auch so bleibt, müssen wir vor allem auf die Zebrastreifen am Schuleingang hinweisen“, sagt Schulpflegschaftsvorsitzende Silke Hutten und tut an diesem ersten Morgen nach den Sommerferien genau das: Als Zebra verkleidet, macht sie Autofahrer am Kreisverkehr an der Bruchhauser Straße auf den unmittelbar angrenzenden Zebrastreifen aufmerksam.

Helmut Ring, Geschäftsführer der Verkehrswacht Leverkusen, empfiehlt Eltern, ihre Schützlinge zu Fuß zur Schule gehen zu lassen, anstatt sie mit dem Auto „abzuliefern“. Das erfordere Vertrauen, sei aber in vielerlei Hinsicht die beste Möglichkeit. „Nach einem zu Fuß zurückgelegten Schulweg haben die Kinder die letzte Müdigkeit abgeschüttelt, Sauerstoff getankt und sich bewegt. Dann können sie konzentriert in den Schultag starten“, erläutert Ring. Die Hinfahrt im Auto entlaste die Schüler nicht, sondern fördere Unausgeglichenheit. Die Statistiken belegen, dass mehr Kinder im Pkw der Eltern auf dem Weg zur Schule verunglücken, als Schüler, die diesen Weg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.

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