Erster Inklusionstag: In Wiesdorfer City fehlt es an Barrierefreiheit

Aktionen und Infos in Wiesdorf : Erster Inklusionstag: Es fehlt an Barrierefreiheit in der City

Aufklären, informieren und Erfahrungsaustausch von Menschen mit und ohne Einschränkung waren die Ziele des ersten Leverkusener Inklusionstages. Obwohl am Samstag in Wiesdorf das Interesse zum Bedauern aller Akteure recht gering war, sollen weitere Aktionstage folgen.

„Spätestens beim dritten Mal wollen wir vor dem Rathaus sein“, lautet das Ziel von Andreas Hollstein.

Der 61-Jährige ist  – gefördert von der „Aktion Mensch“  – seit 2015 als „Inklusionsbotschafter“ im Einsatz und kämpft vor allem für Barrierefreiheit. Eine Gruppe um Hollstein hatte deshalb Straßenzüge in Wiesdorf getestet und festgestellt: In der Nobelstraße ist das Verhältnis ausgeglichen, in der Breidenbachstraße sieht es schlecht aus. Unvollständige Barrierefreiheit besteht in der Hauptstraße. Nach Einschätzung von Hollstein liegt das unter anderem daran, dass die meisten Geschäfte nur gemietet und die Eigentümer nicht dazu bereit sind, etwas am Zustand zu ändern. Ein barrierefreier Zugang könnte etwa durch mobile Rampen geschaffen werden. Aber: Zum einen entständen dadurch gefährliche Stolperfallen. Zum anderen wäre eine Gebühr an die Stadt fällig, sobald diese Rampen auf die Bürgersteige ragen. Ideal wäre, so Hollstein, wenn die Stadt die Satzung für Gehwege entsprechend anpassen und die Nutzung der Rampen erlauben würde. „Das ist dringend erforderlich, wenn Inklusion nicht nur ein leeres Wort bleiben soll.“ Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollatoren und Gehbehinderte haben es ebenso schwer in der Stadt wie Blinde, für die wiederum selten Leitsysteme installiert sind.

Insgesamt zwölf Prozent aller Leverkusener gelten als schwerbehindert. Hollstein wünscht sich, dass er oder ein anderer Betroffene der Inklusionsgruppe öfter an Projekten beteiligt oder gefragt würde, dann könnten sie sicherlich so manchen Verbesserungsvorschlag machen.

Bizarr: selbst in der Begegnungsstätte „Einfach da“ der Kirchengemeinde St. Stephanus ist nicht alles perfekt. Zwar ist der Zugang barrierefrei, aber die Toilette ist im Keller. Eine behindertengerechte Toilette ist nur mit kleinen Umwegen über den Innenhof zu erreichen. Dort sind die Türen schwierig zu öffnen, so dass Rollstuhlfahrer auf Hilfe angewiesen sind. Hollstein: „Hätte das Erzbistum die Finanzierung nicht zurückgezogen, könnte der barrierefreie Umbau schon erledigt sein.“

Mehr von RP ONLINE