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Erneut Fische in Leverkusen vor dem Ersticken gerettet

Angelverein in Leverkusen : Erneut Fische vor dem Ersticken gerettet

Der Streit zwischen dem Angelverein und dem Betreiber der Reuschenberger Mühle um Ausbaggerungen am Mühlengraben geht weiter. Erneut mussten die Angler Fische vor dem Verenden retten. Aufsichtsbehörden wurden eingeschaltet, bisher offenbar ohne nennenswerte Konsequenzen. 

Im Mühlengraben fließt wieder Wasser. „Endlich“, sagt Kim Schwarzschultz, Geschäftsführer des Angelsportvereins (ASV) Leverkusen, erleichert. Obwohl vordergründig alles in Ordnung zu sein scheint, ist der junge Mann nicht zufrieden.

Zur Erinnerung: Im vergangenen September wurde der Zufluss in diesen Seitenarm der Wupper zwischen Tierschutzheim und Gut Reuschenberg wegen Reparaturarbeiten an den Wasserkraftturbinen der Reuschenberger Mühle gestoppt. Ursprünglich waren dafür sechs Wochen veranschlagt.

Doch noch bis vor kurzem zogen sich die Arbeiten hin. Unter anderem auch deshalb, weil Mühlenbetreiber Rappl etliche Ausbaggerungsarbeiten im gesamten Obergraben in Auftrag gegeben hatte. „Das war so nicht vereinbart“, berichtet Schwarzschultz, der dies nur durch Zufall bemerkte und entsprechend verärgert ist. Zumal sich selbst im vorhandenen Restwasser immer noch zahlreiche Fische tummelten, die bei frühzeitiger Information hätten gerettet werden können.

Der Angelsportverein als Fischereipächter sieht sich also schon zum zweiten Mal vor vollendete Tatsachen gestellt. Dazu kommt, dass nicht nur die Fischerei, sondern die gesamte Umwelt von dem offensichtlich rücksichtlosen Verhalten des Mühlenbesitzers betroffen ist. Schwarzschultz meldete den Vorfall dem städtischen Umweltamt und der Bezirksregierung Köln. Zumal der Bagger zahlreiche Ufergehölze beschädigte, außerdem den Aushub einschließlich Autoreifen und im Schlamm enthaltene Schadstoffe an das Ufer des Naturschutzgebietes „Wupperinsel“ kippte. Und somit zugleich mehrfach gegen den Landschaftsplan der Stadt Leverkusen und Vorschriften des Natur- und Artenschutzes der Unteren Landschaftsbehörde verstieß.

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Das Umweltamt meldete sich sofort danach bei Schwarzschultz und bat um weiteres Beweismaterial, wie zum Beispiel eine Liste verendeter Fische, gefällter Bäume oder das Ausmaß der Baggertätigkeiten. Von der Bezirksregierung kam indessen keine Rückmeldung.

Insgesamt 13 Fischarten, darunter Aale und Karpfen, berichtete Schwarzschultz dem städtischen Sachbearbeiter, seien in letzter Minute gerettet worden. Aber 14 Gattungen, wie zum Beispiel Barben, Regenbogenforellen und Signalkrebse, seien zu Schaden gekommen. Lachse, die nach Landesfischereiverordnung eigentlich ganzjährige Schonzeit genießen, habe man – wegen des Sauerstoffmangels ganz apathisch – gerade noch vor dem Ersticken bewahrt.

Mehrfach hatte der Mühlenbetreiber in Gesprächen mit Schwarzschultz betont, ihm sei bewusst, dass seine Aktionen nicht genehmigungsfähig seien und Behörden ihm diese verweigern würden. Aber er hatte Schwarzschultz auch versichert, dass er rechtzeitig vor Wiederinbetriebnahme der Mühle mit ihm Kontakt aufnehmen werde.

Die erneute, kurzfristig angesetzte Ausbaggerung zeige nun deutlich, dass er nicht die Wahrheit gesagt habe. Schwarzschultz: „Herr Rappl verstößt fortgesetzt gegen geltendes Recht und führt die Verwaltung und die Fischereiberechtigten nach allen Regeln der Kunst vor.“ Trotz allem hofft der Vereien immer noch darauf, mit Rappl eine Einigung erzielen und zumindest eine Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden zu erhalten.

Bis zuletzt verzeichneten die Angler im Mühlengraben schwankende Wasserstände und Durchflüsse. Insgesamt wirke die Strömungsgeschwindigkeit deutlich höher, als vor den Eingriffen. Schwarzschultz führt diese Tatsache darauf zurück, dass das Flussbett nach den Baggerarbeiten ohne Bodenstruktur und „glatt wie eine Badewanne“ zurückgeblieben ist. Zwar würden Fische dort wieder einwandern, sagt Schwarzschultz. Es werde vermutlich viele Jahre dauern, bis sich wieder Totholz und Wasserpflanzen oder so genannte Strömungsschatten angesammelt hätten, um den Fischen entsprechende Rückzugsräume bieten zu können. „Weibchen brauchen beruhigte Bereiche zur Ablage des Fischlaichs“, erläutert der 33-jährige Vereinsvorsitzende.