Leverkusen: Enge Baustelle: Fast 80 Prozent der Pkw müssten rechts hinter den Lkw fahren

Leverkusen : Enge Baustelle: Fast 80 Prozent der Pkw müssten rechts hinter den Lkw fahren

Leverkusen/Köln An der A3-Baustelle Köln-Mülheim verstoßen täglich Tausende Autofahrer gegen die Verkehrsregeln. Die Autobahnbehörde hat die linken Fahrstreifen nur für Autos bis zwei Meter Breite frei gegeben. Tatsächlich sind fast 80 Prozent der heutigen Fahrzeuge breiter. Selbst ein Golf. "Maßgeblich ist der Abstand zwischen den Außenkanten der Außenspiegel", sagt Laurenz Braunisch, Sprecher des Landesbetriebs StraßenNRW. Im Fahrzeugschein, auf den sich viele Fahrer verlassen, steht aber nur die Breite ohne Außenspiegel. "Das ist allgemein nicht so bekannt", sagt Roman Suthold, Verkehrsexperte beim ADAC Nordrhein. Ein OLG-Urteil von 2008 bestätigt diese ausschlaggebenden Spiegelmaße.

Heute reißen immer mehr Autos die Zwei-Meter-Marke: "Autos werden immer breiter", warnt Suthold. "Das gleiche Problem haben wir bei Parkplätzen." Wer sich die technischen Datenblätter der Hersteller ansieht, entdeckt schnell, welche Fahrzeuge zu breit sind. Beim Audi Q 7 liegen 2,18 Meter mit Spiegeln an, ohne ist die Karosserie 1,98 Meter schmal. Auch viele Mercedes-Modelle rollen mit 2,08 Meter und mehr über die Straße. Beliebte Fahrzeuge wie der VW Bus oder der Ford Transit liegen dicke über der Zwei-Meter-Marke. Der VW Passat (2,06 Meter) und selbst der VW Golf (2,04 Meter) sind zu breit für die engen Baustellenspuren. Die Lastenträger wie Mercedes Sprinter, die oft über die Überholspuren düsen, bringen es auf 2,42 Meter einschließlich Spiegel. Der Fahrzeugschein weist nur 1,99 Meter auf – für die Karosserie ohne die Spiegel.

ADAC lobt A 3-Baustelle bei Köln

Im Bereich der Großbaustelle auf der A 3 zwischen Köln-Mülheim und Köln-Dellbrück sind zwei der drei Spuren auf zwei Meter verengt. Für die Autofahrer heißt das: Um sich regelkonform zu verhalten, müssten viele von ihnen eigentlich auf der Lkw-Spur fahren – was im ohnehin von Staus und Unfällen geplagten Umfeld der Baustelle verheerende Konsequenzen hätte. "Gerade Transportern bleibt dann dort nichts anderes übrig, als rechts zu fahren", sagt ADAC-Experte Roman Suthold. "Das könnte dazu führen, dass rechts Stau ist und links der Verkehr rollt."

Wo dies möglich ist, werden die Breiten der Fahrspuren deshalb mittlerweile auf 2,10 Meter begrenzt. Diese Veränderung führt dazu, dass fast alle Pkw die Spuren nutzen dürfen. Eine solche Beschilderung sei auf der A 3 bei Köln nicht möglich, sagt ein Sprecher der autobahnbehörde. Um zwei Meter auszuschildern, müsse der Fahrstreifen real 2,50 Meter breit sein – für 2,10 Meter müssten sie entsprechend 2,60 Meter breit sein, erklärt Laurenz Braunisch. Dafür reiche der Platz nicht: "Auf der A 3 gibt es viele Brücken, die die Breite der Fahrbahn begrenzen. Da kriegt man nicht mehr raus. Die Leute vor Ort kämpfen um jeden Zentimeter."

Auch der ADAC erkennt die räumliche Enge auf dem Kölner Ring an. "Da ist nicht viel Spiel, die bauen am Limit. Grundsätzlich läuft die Abwicklung der Baustelle aus unserer Sicht sehr gut", lobt Roman Suthold. Das Problem stelle sich übrigens nicht nur auf der A 3, merkt der Verkehrsexperte an: Auf der A 1 bei Bremen werden Autofahrer seit Mitte 2010 im Baustellenbereich zum versetzten Fahren aufgefordert, weil die Fahrspuren sonst zu schmal wären.

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