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Leverkusen: Einkehr in Gottes Haus

Leverkusen : Einkehr in Gottes Haus

In Leverkusen gibt es Kapellen in allen Größen und Ausprägungen, von schlicht bis aufwändig verziert. Heilende Quellen, angeschwemmte Heilige, Teufelinnenund Hüter der Knochen. Ein Porträt über vier Kapellen und ihre abwechslungsreiche(n) Geschichte(n).

"Take your troubles to the chapel" (trage deine Sorgen in die Kapelle) sang Elvis Presley Mitte der 60er Jahre. In Leverkusen gibt's dazu reichlich Gelegenheit, in fast jedem Stadtteil gibt es eine Kapelle.

Kreuzkapelle

Gerade zu Ostern lohnt sich ein Besuch der Kreuzkapelle in Lützenkirchen mit ihren lebensgroßen barocken Figuren. Sie stellen den Kreuzweg Christi dar. Die Kreuzigungsszene ist über dem Altar. Daneben hängt ein Teufelchen, das sich als weiblich entpuppt.

Karl-Georg Emmels, seit 18 Jahren im Kirchenvorstand der Gemeinde St. Maurinus und Marien, kennt sich aus in der Kapelle. Er hat miterlebt, wie der originale Bau von 1712 im Jahr 1968 abgerissen und 1969 etwa 60 Meter weiter wieder aufgebaut wurde. "Die Lützenkirchener Straße wurde verbreitert, da musste die Kapelle weichen", sagt der Architekt.

Anfang der 80er Jahre wurden die Figuren aus dem 16. und 17. Jahrhundert restauriert. Die Kapelle verdankt ihre Entstehung dem Richter des Landgerichts Lützenkirchen, das von 1350 bis 1812 bestand. Er wohnte im Haus hinter der Kapelle, in der Burg auf dem Lehn. In dem etwa 20 Leute fassenden Kirchlein finden selten Gottesdienste statt. Bei der Fronleichnamsprozession wird der Altar in den Garten gebracht.

Antoniuskapelle

Noch kleiner als die Kreuzkapelle ist wohl nur die Antoniuskapelle in Hitdorf, liebevoll als "Kapellchen" bezeichnet. Der Backsteinbau soll früher direkt am Steilufer des Rheins gestanden haben, dort, wo angeblich 1740 die Statue des heiligen Antonius angeschwemmt wurde.

"Man sagt, die Hitdorfer hätten ihn wieder ins Wasser geschmissen", erzählt Lorenz Schlömer schmunzelnd. Der Rentner kümmert sich um die 1829 erstmals erwähnte Kapelle, die heute am Heerweg oberhalb des Ufers steht.

Als die Statue aber erneut angeschwemmt wurde, baute man eine Kapelle, die später verlegt wurde. Das Kreuzgewölbe wurde 1976 in zartem Blau-Weiß liebevoll restauriert. Die Hitdorfer spendeten eine neue Holzstatue des Antonius, das Original befindet sich in der Hitdorfer St. Stephanus-Kirche. Um den 13. Juni, Todestag des heiligen Antonius, öffnet sich das Kapellchen für eine achttägige Andacht.

Nepomuk-Kapelle

Die erste Kapelle in Fettehenne war auch dem heiligen Antonius geweiht. Als sie baufällig 1700 abgerissen und 1737 neu gebaut wurde, widmete man sie dem gerade heiliggesprochenen Johannes Nepomuk.

Sein Konflikt mit König Wenzel ist auf einem Ölbild von 1740 verewigt. Das Gotteshaus wurden vor drei Jahren renoviert. Der Außenanstrich, das typische Bergisch-Rot, leuchtet frisch. Das Messbuch von 1626 ruht unter Glas auf einer Granitschicht. Die Kapelle bietet mehr als 80 Leuten Platz und wird gerne für Hochzeiten benutzt. Gottesdienst: donnerstags, 18.30 Uhr.

Gezelinkapelle

Sie besitzt den ungewöhnlichsten Standort: über einer Quelle mit Frischwasser, das gut schmeckt, aber offiziell nicht als Trinkwasser bezeichnet werden darf.

Trotzdem kommen die Alkenrather her, um Wasser zu zapfen, dem heilende Wirkung (Augen-/Kopfleiden) zugesprochen wird, weiß Küster Christian Kaltenbach. Er hütet die Gezelinkapelle, wie schon sein Großvater Wilhelm, nach dem der Weg zur zuletzt 1868 erneuerte Kapelle benannt ist.

Der Backsteinbau beherbergt einen Schrein mit Hand- und Fußknochen des heiligen Gezelinus, einem Zisterzienserbruder, der 1135 Schafe in Alkenrath hütete. Als er starb, baute man ein Heiligenhäuschen über die Quelle, die er entdeckt hatte. Seine übrigen Gebeine ruhen in St. Andreas. Nach Fronleichnam beginnt die Gezelin-Oktav.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Vier Kapellen aus Leverkusen in Bildern

(RP)