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Leverkusen: Eineinhalb Jahre auf Bewährung für lebensgefährlichen Messerstich

Leverkusen : Eineinhalb Jahre auf Bewährung für lebensgefährlichen Messerstich

Mit bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug wegen gefährlicher Körperverletzung hätte am Montag ein 47-jähriger Leverkusener verurteilt werden können. Das Schöffengericht entließ den Mann, obwohl er einem Kontrahenten einen fast tödlichen Messerstich versetzt hatte, aber mit einer milden Strafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte auf Notwehr und somit Freispruch plädiert. Die Staatsanwältin forderte für den bislang strafrechtlich nicht unvorbelasteten Angeklagten eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung.

Ausgangspunkt für die Tat war das Hochhaus am Königsberger Platz 22 in Leverkusen. Die Streitigkeit, die zu der angeklagtem Messerattacke führte, liegt aber lange Zeit zurück. So konnten sich am Montag Zeugen und auch Beteiligte teilweise nur noch bruchstückhaft an das Geschehen am 1. November 2011 zurückerinnern. Der Angeklagte sagte, er habe sich mit seinem Neffen am Königsberger Platz in den Hauseingang begeben, um eine Zigarette zu drehen, weil es kalt und windig gewesen sei.

Plötzlich sei ein Hausbewohner die Treppe heruntergekommen und habe sie angebrüllt, sie sollten das Haus verlassen. Dabei habe er ihren Tabakbeutel aus der geöffneten Türe geworfen. Er habe dann zu seinem Neffen so etwas gesagt, wie: "Komm lass uns gehen!" Doch der Hausbewohner sei ihnen gefolgt, habe weiterhin gebrüllt und ihn plötzlich von hinten um dem Hals gegriffen und festgehalten.

Er habe Angst bekommen, als ihn der Verfolger am Hals gepackt habe. So habe er plötzlich sein Messer gezogen, das er aber eigentlich nur zum Brötchenaufschneiden bei sich getragen habe. "Ich hatte keinen Bock auf Stress, aber dann ist es einfach passiert, ich habe zugestochen, leider", sagte der Angeklagte. Der Neffe hatte die ganze Zeit dabei gestanden: "Ich stand unter Schock", meinte er am Montag als Zeuge vor Gericht. Er wird sich aber in einem gesonderten Strafverfahren noch zu verantworten haben.

Während das Opfer sofort blutend zusammengebrochen war, hatten sich Onkel und Neffe schon aus dem Staub gemacht und waren in Richtung Park geflüchtet. "Mein Messer habe ich weggeworfen, es war aber nur so ein ganz einfaches Teil vom Aldi", merkte der Angeklagte noch an. Denn der Richter hatte vermutet, es habe sich um ein Klappmesser gehandelt. Mit dem "einfachen" Messer hatte der Angeklagte dem Opfer aber erhebliche Verletzungen beigebracht. Er hatte ihn so tief in den Unterbauch gestochen, dass der Dickdarm viermal perforiert war und der Mann an dem Abend noch notoperiert werden musste. Er habe immer noch mit den Folgen dieser Verletzung zu kämpfen, sagte das Opfer vor Gericht aus. Er habe Beschwerden beim Essen, Schmerzen, wenn er auf der Seite schlafen oder Sport treiben wolle.

Er habe den Onkel und seinen Neffen nur aus dem Treppenhaus nach draußen gebeten, weil die beiden dort mit irgendwelchen Drogen hantiert hätten. "Da wohnen Kinder im Haus, die wollte ich schützen", sagte der 34-jährige Familienvater. Die beiden seien dann auch nach draußen gegangen, hätten ihn aber mit "Hurensohn" beschimpft. "Ich bin ihnen nachgegangen, weil ich fragen wollte, was das soll. Dann hab' ich den Älteren nur ganz leicht angepackt, und schon hatte ich ein Messer im Bauch", erinnerte er sich.

(gt)