Eine Werkstatt, die alte Werte erhält  

Serie „Mein Verein“: Reparaturwertstatt : Eine Werkstatt, die alte Werte erhält  

Die „Reparaturwertstatt“ hat der Wegwerf-Mentalitat den Kampf angesagt und repariert, was nicht mehr funktioniert.

Es ist noch nicht lange her, da wünschten sich Konsumenten in Umfragen mehr Nachhaltigkeit. Das ist auch Thema bei der „Reparaturwertstatt Leverkusen“, die ab September an einem festen Standort in der Stauffenbergstraße in Opladen zu finden ist. „Wir werden aber weiter ‚reisen‘ und wie ein Wanderzirkus in den verschiedenen Stadtteilen präsent sein“, verspricht Vorstandsmitglied Natalie Kühn.

Das Radio spielt nicht mehr? Der Pullover hat Löcher? Kein Grund zum Wegwerfen, behaupten die Experten der „Reparaturwertstatt“, die ehrenamtlich und gratis bei der Reparatur von Gegenständen helfen, die von Wert sind  – daher der Name „Wertstatt“. Auf diese Weise können Bürger die Umwelt schonen und Geld sparen. Was nicht bedeutet, dass Spenden nicht gerne gesehen sind. „Im Monat kommen durchschnittlich 200 Euro zusammen. Das hat bislang immer ausgereicht, um die Kosten für Material und Raummiete abzudecken“, erläutert Vorstandsmitglied Natalie Kühn, die sich ebenso über Spenden in Form von Werkzeugen freut.

Repariert werden Gegenstände aus den Bereichen Textilien, Holz und Möbel sowie Elektro und Mechanik. „Bisher war von Popcorn- bis zu Nähmaschinen alles dabei“, berichtet Ulrich Flocke, einer der Ehrenamtler, der die Dinge im Elektrobereich wieder ans Laufen bringt. Gerade hat er ein Akkuladegerät vor sich. Der Hilfesuchende ist selber Elektroingenieur, hat es aber nicht geschafft, das Teil zu reparieren. „Ich bin besser in Theorie“, entschuldigt sich der Mann. „Ich werfe Dinge nicht gerne weg, die eventuell noch zu gebrauchen sind“, sagt er bei seinem Premierenbesuch.

Eine Jukebox aus den 1970-er Jahren war das größte Gerät, das Flocke, Elektrotechniker bei Saltiago, bislang repariert hat. Die Freude des Besitzers war anschließend groß. „Basteln war schon immer mein Hobby“, erklärt der 58-jährige Opladener. „Aber es sind solche Erfolgserlebnisse, die mich antreiben“, ergänzt der Mann, der vor drei Jahren zufällig von der Einrichtung erfahren hat und seither an jedem letzten Wochenende des Monats zur Stelle ist.

Der 67-jährige Ruheständler Friedhelm Boll ist ein ehemaliger Kollege von Flocke. Ihn reizt neben dem Helfen vor allem die nette Gemeinschaft im Team. „Keiner kann alles wissen. Also helfen wir uns gegenseitig“, meint er, während er eine defekte Teichpumpe auseinandernimmt und reinigt.

Auch Marianne Sabo aus Rheindorf steht in der Warteschlange. Sie hat einen Staubsauger mit defektem Kabel dabei. „Ich hoffe, er ist leicht zu flicken“, ist sie optimistisch und freut sich: „Super, dass es diese tolle Einrichtung gibt. Nicht jeder hat ein Händchen, um Dinge zu reparieren.“

Warum all das? „Wir wollen zu der Wegwerfgesellschaft und der Kultur des Überflusses einen Gegenpol setzen. Dinge, die kaputt gehen, müssen nicht zwangsläufig weggeworfen und ersetzt werden“, erläutert Natalie Kühn. Die Statistik gibt ihr Recht: Alleine innerhalb eines Jahres wurden 710 Gegenstände zur Reparatur gegeben, 63 Prozent waren anschließend wieder funktionstüchtig.

Einmal im Monat, normalerweise am letzten Wochenende des Monats, öffnen die Reparaturwertstätten an wechselnden Orten innerhalb Leverkusens, jeweils freitags oder samstags.

Freitags ist die Reparaturwertstatt von 14 bis 18 Uhr geöffnet, samstags je nach Ort von 10 bis 14 Uhr oder 10 bis 16 Uhr.

Termine und weitere Infos sind abrufbar unter  www.ausbesserungswert.de

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