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Leverkusen: Ein Plumpsklo bekleidet mit sakralen Textilien

Leverkusen : Ein Plumpsklo bekleidet mit sakralen Textilien

Ausschuss, abgelegte Kleidung, Dinge aus dem Müll sind der Stoff, aus dem Pater Wilhelm Pfeil seine Zeichnungen, Drucke, Batiken und Skulpturen schuf.

Wer jetzt an Schrottkunst oder kreatives Recycling denkt, wird sich wundern beim Rundgang durch die CityKirche Herz Jesu, wo seine Arbeiten in der Kunstnacht heute zu sehen sind. Die beginnt mit einer Messe um 18.30 Uhr, und im Laufe des Abends gibt es ein Konzert sowie eine Lesung mit Musik.

Die Altmaterialien, die der 2010 verstorbene Künstler, der erst im Alter von fast 70 Jahren zum Priester geweiht wurde, zur Herstellung von Druckvorlagen verwendete, sind äußerst filigran. Entsprechend fein erscheinen die Ergebnisse, kleine Grafiken mit christlicher Aussage.

Mit Bollerwagen auf Materialfang

Pfeil benutzte originale Fundstücke auch direkt, um sie umzuformen und ihnen so eine neue, aussagekräftige Bestimmung zu geben. Das Bodenbrett eines Schweinetrogs, das Auskerbungen und Spuren von jahrelanger Benutzung zeigt, belegte er mit Stücken von ausrangierten feinen liturgischen Stoffen und glich die Farbigkeit so an, dass die Materialien nicht wirklich zu unterscheiden sind. Sogar zwei Bretter eines ehemaligen Plumpsklos hat er mit sakralen Textilien bekleidet.

Auf diese Arbeit beriefen sich Kinder und Jugendliche im Café Mittenmang, als sie sich entschlossen, ein WC vom Müll in ihre Ausstellung einzubeziehen. Zunächst waren sie aber erstmal unsicher, ob sich das für eine Kirche schickt. "Das Fenster zum Hof" ist das Projekt überschrieben, das während der gerade vergangenen Herbstferien im Jugendzentrum lief. 15 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren waren daran beteiligt.

Sachkundige Unterstützung hatte Leiterin Antje Sarkessian durch das Künstlerehepaar Jacqueline und Winfried Gille, das bereits zum dritten Mal mit Besuchern der Einrichtung arbeitete.

Nach dem Vorbild von Wilhelm Pfeil sammelten die Beteiligten zunächst mit dem Bollerwagen als Transportmittel ausgestattet ausgediente Materialien, aus denen mit viel Fantasie und dem handwerklichen Know-how der Künstler eine vielteilige Installation entstand. Ein echtes altes Holzfenster bietet den Rahmen und den Eindruck, einen Blick in die neu geschaffene Lebenswelt zu werfen.

Heute 26. Oktober, CityKirche: 18.30 Uhr Gottesdienst, Eröffnung "LebensRätsel" mit Arbeiten von Pater Wilhelm Pfeil, 19.30 Uhr Eröffnung "Das Fenster zum Hof", ab 20 Uhr: Orgelkonzert, Lesung.

(mkl)