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Ein Mähboot rasiert den Leverkusener Silbersee

Unterwasserpflanzen wuchern : Bahn frei für Schwimmer – Mähboot rasiert den Silbersee

Mit dem Spezialgefährt entfernt ein Fachmann die Schlingpflanzen vom Boden des Gewässers, auch damit Schwimmer freie Bahn haben. In dem ehemaligen Baggerloch ist Baden erlaubt, allerdings auf eigene Gefahr.

Am dicht bewachsenen Ufer gibt es einen Rundwanderweg. Auf der gemütlichen Liegewiese ist Grillen erlaubt, auf bequemen Parkbänken können Spaziergänger eine Pause einlegen. Vor allem aber wegen seines flachen Sandstrandes gilt der frei zugängliche Silbersee im Stadtteil Küppersteg als beliebtes Ausflugsziel, das im Sommer und an Wochenenden unzählige Besucher anlockt. Damit das in Zukunft so bleibt und Badende nicht durch Wasserpflanzen belästigt werden, wurde der See jetzt an zwei Tagen gemäht. Vorsichtshalber bis Dienstagabend war der gesamte Bereich gesperrt. Das Gewässer ist  ab Mittwoch aber wieder zum Baden frei gegeben.

„Viele Schwimmer empfinden die Gewächse unter Wasser als unheimlich oder unangenehm“, erläuterte Lothar Schmitz, Leiter des Fachbereichs Stadtgrün. Andererseits gilt: Für die Wasserqualität sind Pflanzen wie kanadische Wasserpest, raues Hornblatt und ähriges Tausendblatt hilfreich, weil sie Sauerstoff freisetzen. Außerdem bieten die bis zu 60 Zentimeter langen Triebe Fischen wie Aal, Hecht, Karpfen, Schleie, Seeforelle und Zander im See sowohl Nahrung als auch ein sicheres Versteck.

Zu viel Grünzeug ist aber auch für die natürliche Unterwasserwelt  problematisch. „Wenn von oben zu wenig Licht kommt, sterben Pflanzen ab, können keinen Sauerstoff produzieren, und Fische bekommen keine Luft mehr“, beschreibt Gewässerökologe Friedrich Schunke eine mögliche Gefahr.

Aus dem heimischen Gartenteich würde man den Pflanzenüberschuss vermutlich per Hand entfernen. Das ist im rund sechs Hektar großen Silbersee nicht möglich, der zuvor als Baggersee diente und den die Stadt Leverkusen Ende der 1980er Jahre im Rahmen der Landesgartenschau umgestalten und anlegen ließ. Um den Wucherungen dort Paroli bieten zu können, musste eigens ein Fachmann beauftragt werden. Kosten: 4000 Euro.

Nach nicht mal zwei Tagen hatte „Teichrasierer“ Friedrich Schunke aus Mühlheim am Main weitaus mehr als fünf Kubikmeter Grünzeug aus dem Wasser geholt. Er arbeitete systematisch und schrittweise. Für den ersten Arbeitsgang nutzte er ein Boot, auf dem ein drei Meter breites und zwei Meter langes Mähwerkzeug installiert ist und das Wasserpflanzen ähnlich wie ein Rasenmäher abschneidet. Im zweiten Schritt fischte er den schleimigen „Grasschnitt“ mit einem am Boot angebrachten Rechen aus dem Wasser. „Große Teile des Sees sind bedeckt. Aber wir nehmen nur einen Bruchteil heraus und nur in den Bereichen, in denen es absolut notwendig ist“, so Schmitz. Das entfernte Material trocknete am Ufer, bis es als Grünschnitt entsorgt wurde. „Die Pflanzen bestehen zu über 90 Prozent aus Wasser und fallen stark in sich zusammen“, sagte Schunke.

Dem vorausgegangen war eine Sonarvermessung des Untergrundes. Dabei stellte Schunke fest: „Einen See mit dieser Struktur hatte ich noch nie. Er sieht aus wie ein Gebirge, nur umgekehrt.“ Die tiefste Stelle im östlichen Bereich misst rund 9,50 Meter. Ein Grund für das tiefe Bodenprofil ist, dass in dem heutigen See sehr tief ausgebaggert wurde. Ehe die Stadt das Areal als so genannte „Tageserholungsanlage“ freigeben konnte, musste zusätzlicher Kies herbeigeschafft und Uferböschungen rund um den See angeschüttet werden. Das gilt auch für die Badestelle, die heute flach ins Wasser führt. „Dort war der meiste Kies notwendig“, erläuterte Ulrich Hammer vom Fachbereich Stadtgrün und ergänzte: „Die besondere Schwierigkeit waren die unterschiedlichen Wasserstände im See. Das Grundwasser ist nicht immer gleich, sondern korrespondiert mit dem Hochwasser des Rheins. Wenn der Rhein also Hochwasser hat, kann man davon ausgehen, dass im Silbersee wenig Wasser ist.“

Schunke geht davon aus, dass er im nächsten Jahr – abhängig vom Wachstum der Wasserpflanzen – wieder mähen muss. Nicht nur Wasservögeln bringen weitere Pflanzen mit ihrem Gefieder in den See. Auch Klimaveränderungen sorgen für den Wechsel. Speziell die „kanadische Wasserpest“ breitet sich so rasant aus, weil sie in Leverkusen ähnliche klimatische Bedingungen findet wie in ihrem Herkunftsland.