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Leverkusen: Ein Leben für den WM-Titel

Leverkusen : Ein Leben für den WM-Titel

Die Leverkusener Maria Maksina und Roman Schumichin träumen davon, einmal zu den ganz Großen der Tanzszene zu gehören. Die Chancen stehen nicht schlecht, gerade wurden sie Deutsche Meister in ihrer Altersklasse.

köln Schwarze Leggins, kurze Röcke und hohe Schuhe beherrschen das Bild auf dem Parkett. Es ist Gruppen-Lateintraining in der Art of Dance Tanzschule Köln. Ein letztes Mal die Schuhsohlen kratzen, hier und da eine Dehnübung — und los geht's. Schlanke, hochgewachsene junge Menschen wirbeln paarweise über die Tanzfläche. Über all dem wacht der strenge Blick der Trainerin. Alla Bastert-Tkachenko weiß, wovon sie spricht. Die gebürtige Russin ertanzte sich in ihrer Karriere einen internationalen Erfolg nach dem nächsten. Inzwischen widmet sie sich dem Training junger Nachwuchstalente — und das sehr erfolgreich.

Gerade erst erkämpfte sich eines ihrer Paare den heiß begehrten Titel "Deutscher Meister Junioren II B" im Standardtanz. Maria Maksina (13) und Roman Schumichin (14) überzeugten die Juroren und durften sich am Ende über einen wohlverdienten Sieg freuen. Viel Zeit zum Verschnaufen blieb ihnen jedoch nicht. Die Standardtanz-Weltmeisterschaft in Moldawien steht an. Für das junge Tanzpaar bedeutet das hartes Training. "Wir trainieren jeden Tag nach der Schule für ungefähr vier Stunden", erzählt Roman. Inbegriffen sind dabei sowohl Gruppentraining, als auch Privatstunden. Viel Zeit für Freunde und Freizeit bleibe da nicht, ergänzt er.

"Doppelt hält besser"

Aber nicht nur die tänzerische Leistung ist entscheidend, auch die Präsentation des Paares wird begutachtet. "Das Fertigmachen für beide Kinder dauert etwa drei Stunden", erläutert Julia Schumichin (34), die Mutter von Roman. Die Haut wird gebräunt, die Haare zu kunstvollen Frisuren drapiert, und bei der Schminke gilt: "Doppelt hält besser." Zu Beginn des Trainings gibt es daher ein Geschenk für Maria. Eine neue Schminktasche mit allen wichtigen Utensilien. Für die schweißtreibende Arbeit — natürlich wasserfest. Besonders auffällig und aufwendig sind die Kostüme. "Romans Frack hat über 1000 Euro gekostet", erzählt die Mama.

Während Roman schon in Deutschland geboren wurde, die Familie stammt aus Kasachstan, lebt Maria erst seit Kurzem in Deutschland. "Vor anderthalb Jahren haben wir eine neue Tanzpartnerin für Roman gesucht. Auf diesem hohen Niveau ist das sehr schwierig", sagt Schumichin. Eine Internetanzeige in internationalen Tanzportalen half weiter. "Wir haben dann Marias Eltern in Russland kontaktiert und alles besprochen."

Maria, damals zwölf, lebt seitdem bei Familie Schumichin und besucht eine Leverkusener Gesamtschule. "Die technischen Gegebenheiten heutzutage ermöglichen es Maria, regelmäßig mit ihrer Mutter in Russland zu telefonieren", ergänzt Evgenij Schumichin (36), Vater von Roman und ehemaliger Basketballer beim TuS 82 Opladen.

"Ich bin sehr froh in Deutschland zu sein, hier habe ich viel mehr Möglichkeiten und einen Tanzpartner", sagt Maria. Ohne die Unterstützung der Eltern funktioniert Leistungssport nicht, weiß auch die Russin Anna Riger (27), ehemalige Trainerin von Roman. "Die Kinder sind fast täglich beim Training, und an den Wochenende sind entweder Turniere, oder andere Auftritte", erzählt sie. Anna Riger hat am eigenen Leib erfahren, dass auch Verzicht zu diesem Sport gehört. "In Russland ist Tanzen kein Hobby, sondern Sport. Meine Mutter musste mich zu Beginn zwingen, zum Training zu gehen, ich war noch sehr jung und hab mich vor meinem Tanzpartner geschämt", ergänzt Anna. "Doch dann kamen die ersten Erfolge, und meine Leidenschaft wurde geweckt." Die ist ihr bis heute geblieben.

"Unser Leben dreht sich um Tanzen", sagt Evgenij Schumichin. Für die Kinder sei es am wichtigsten, dass die Eltern Interesse zeigen. "Wir sind bei den Turnieren dabei und leisten psychologische Hilfe, falls mal etwas nicht so läuft wie geplant", ergänzt Mama Schumichin. Ob sie sich denn schon einmal Sorgen gemacht hätten? "Ja, während des Wachstums hatte Roman starke Knieschmerzen, deshalb waren wir des öfteren beim Arzt", erzählt sie.

Auf der Fläche sind Maria und Roman inzwischen in langsamem Walzer versunken. Mit gestreckten Füßen und einem Lächeln auf den Lippen träumen die Beiden von ihrem ersten Weltmeistertitel.

(RP)