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Ein Buch mit dunklen Geschichten aus Leverkusen.

Neuer Sammelband : Dunkle Geschichten aus Leverkusen

Von Leverkusener Kanarienvögelchen, dem Henker vom Schnibbeldienst und der Leidenschaft für Vizekusen. Ein neuer Sammelband liegt in den Buchhandlungen.

Öffentliche Lesungen waren abgesagt, Recherche kaum möglich. Das brachte mehrere Autoren auf die Idee, die Zeit des Lockdowns im Frühjahr kreativ zur Fertigstellung eines Buches zu nutzen. Passend zur Zeit wurde es eine kleine Sammlung dunkler Geschichten aus Leverkusen, die nun in den Buchhandlungen liegt.

„Schaurig und schön“ beschreibt der Untertitel des Büchleins, das in einer bereits bestehenden Serie des Wartberg-Verlages erschien. Dabei handelt es sich nicht um Kriminal-Stories, auch wenn die emsige Krimi-Schreiberin Regina Schleheck eine der Autorinnen ist, sondern vielmehr um Orte und Ereignisse in der Stadtgeschichte. Herausgeberin ist Ellen Lorentz, die fünf von insgesamt zwölf Geschichten geschrieben hat.

Sie interessiert sich ganz besonders für die Historie der 90 Jahre jungen Stadt und hat zusammen mit der Volkshochschule eine Gästeführer-Ausbildung entwickelt. Ein Team ist längst fertig und kann die Nachfragen nach fundierten Stadtführungen kaum bewältigen. Deswegen soll am 16. November ein neuer Kursus an der VHS starten.

Im Rahmen dieser Tätigkeit ergab sich die Zusammenarbeit mit dem Wiesdorfer Kolonie-Museum, wo Ellen Lorentz Interviews mit Senioren durchführen konnte. Die Aufzeichnungen dieser Erinnerungen kamen ihr in der einsamen Lockdown-Zeit zugute und mündeten beispielsweise in „Die Geschichte der Leverkusener Kanarienvögelchen“. Wer bei diesem Titel an die grünen Sittich-Schwärme denkt, die einst aus dem Kölner Zoo ausgebrochen und sich inzwischen an der Wupper und anderen Stellen in der Stadt niedergelassen aben, ist total auf dem Holzweg. Die hier beschriebenen „Kanarienvögelchen“ waren Frauen, die vor 100 Jahren in den Sprengstofffabriken Bomben befüllten, wodurch ihre Haare ganz grün geworden waren. Eine heute undenkbare Geschichte, jedenfalls wenn es um die Sicherheitsstandards in deutschen Produktionsstätten geht.

Hell im nächtlichen Dunkel leuchtet das Bayerkreuz als Wahrzeichen über der Chemiestadt, das vor einigen Jahren bei der Umwandlung zum Chempark abgebaut werden sollte. Da hatte man die Rechnung ohne die Bevölkerung gemacht, die heftig protestierte und tatsächlich nicht nur den Erhalt, sondern sogar die Modernisierung des historischen Mega-Logos erreichte.

Der Veränderung auf dem Werksgelände, von dem die Stadtgründung überhaupt ausging, ist auch der Beitrag von Andreas Miller gewidmet. In seiner Freizeit gehört er einem Autorenkreis an, beruflich war er für die Abwicklung des Wirtschaftsarchivs zuständig, von dem sich Bayer ebenso trennte wie vom Hochhaus, in dessen zwölfter Etage es beheimatet war. „Der Henker vom Schnibbeldienst“ beschreibt dieses Stückchen Werksgeschichte.

Lars Busch ist Historiker und Fan von Bayer 04, der in seinem Beitrag „Die Leidenschaft für Vizekusen“ erklärt. Frank Weidemann, selbst Jäger, hat sich der Wildschweine im Bürgerbusch angenommen und der Autobahnen, die sich in Leverkusen kreuzen. Diese Geschichte ist ebenso wenig beendet wie die der dunklen City C, die noch Anfang der 1960er Jahre der ganze Stolz der aufstrebenden Stadt war.

Oder die von Schloss Morsbroich, mit der das Buch beginnt. Ellen Lorentz hat das historische Museumsgebäude als kränkelnde alte Dame beschrieben, der die moderne Medizin bisher wenig wirkliche Hilfe geleistet hat. Regina Schleheck gab konkrete Bunkererlebnisse während des Krieges wieder und sie schrieb über eine bekannte Leverkusener Großfamilie mit „Schlösschen in Schlebusch“.