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Edelrath gehört zum grünen Stadtrand Leverkusens

Serie Der grüne Rand der Stadt : Das Dorf der Bäume und der Bräuche

Die Ursprünge des Namens Edelrath sind nicht eindeutig. Klar ist aber: In der Ortschaft gibt’s auch heute noch schöne Traditionen.

Von der höchsten Erhebung hat man bei gutem Wetter einen herrlichen Blick über Leverkusen bis Köln und weit ins Vorgebirge: Edelrath, das Höhendorf im Osten von Schlebusch, hat neben schöner Aussicht auch eine Jahrhunderte alte Geschichte zu bieten. Die kleine Ortschaft Uppersberg liegt noch weiter östlich von Edelrath. Deren Name erinnert vermutlich an den germanischen Volksstamm der Ubier, der zur Zeit Christi von dem römischen Feldherrn Agrippa in die Gegend um Köln umgesiedelt wurde.

Über den Namen Edelrath wird bis heute gestritten. In einem Beitrag zur Festschrift der Gesellschaft „Erholung“ Edelrath-Uppersberg schrieb Lokalhistorikerin Helga Kruse-Klemusch unter dem Titel „Wahres und Sagenhaftes“ dies: „Edelrath heißt im Dialekt ,l’erleroth’. Wie die erste Silbe des Wortes werden auch die Erlenbäume genannt. Die zweite Silbe ,roth’ kann in ihrem Ursprung auch Rat bedeuten. Da die obere Gemeinde weit ab vom ehemaligen Gemeindezentrum Schlebuschrath lag, könnte es durchaus sein, dass sich in Edelrath einmal eine Rats- oder Versammlungsstätte befand, die durch Erlenbäume gekennzeichnet war.“

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Gerfer ist ein Name, der mit dem Edelrath der Neuzeit untrennbar verbunden ist. In dritter Generation führten der gelernte Metzger Franz Gerfer (84) und seine Ehefrau Anneliese den „Landgasthof Edelrath“. Gäste kamen aus dem weiten Umland, um die bürgerliche Küche zu genießen. Fleischwurst und Panhas – eine Wurstspezialität aus dem Bergischen Land – waren legendär. Tochter Rita Knieper beschrieb das Erfolgsrezept ihrer Eltern so: „Mein Vater war ein guter Gastgeber, meine Mutter eine anerkannte Köchin.“

Die Gaststätte Gerfer diente der Dorfgemeinschaft zugleich als Vereinslokal. „Der Verein aus Leverkusen mit Tradition, Engagement und Herz“, wie sich die Gesellschaft „Erholung“ selbst bezeichnet, wurde gegründet, als Wilhelm II noch die Geschicke des Kaiserreiches lenkte und elektrisches Licht und Kraftfahrzeuge noch Fremdwörter waren. Zu den Höhepunkten der Historie zählen Karnevalsfeste, Sitzungen und Maskenball. Zwischen 1974 und 1989 hatte Edelrath sogar einen Karnevalszug, der auch durch Neuenhaus und Uppersberg zog.

1999, zehn Jahre später, setzten sich die Eheleute Gerfer zur Ruhe. Bis 2010 war der Betrieb verpachtet, dann war auch damit Schluss. Die vierte Generation Gerfer wollte die Wirtschaft nicht übernehmen. Also wurde ein Teil des Hauses abgerissen. Nur die alten Stallungen blieben erhalten und dienen jetzt als Büro. Ein kleiner Saal wird für Familienfeiern genutzt. Immerhin hat Gerfer bislang zwölf Enkel und neun Urenkel.

Edelrath hat seinen dörflichen Charakter schon lange verloren. Etwa 100 Einwohner lebten noch um 1950 in den alten, bescheidenen Fachwerkhäusern. Bis dahin hatte die kleine Gemeinde eine eigene Poststelle mit öffentlichem Fernsprecher. Die Anschrift lautete „Post Edelrath über Opladen“. Der Ort war durch Obst- und Gemüseanbau geprägt. Blühende Obstbäume waren alljährlich eine reine Augenweide. Sie trugen alte Apfelsorten wie „Krummstiel“ oder „Süße“ und Birnen wie „Goldschwänzchen.“ Die Früchte wurden zum Markt nach Köln gebracht oder auf heimischen Wochenmärkten verkauft. Einige größere Bauern in der Obergemeinde lebten mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft. Die Meisten betrieben Ackerbau ohnehin nur als Nebenerwerb. An fast jedem Haus gab es zumindest eine Ziege oder ein Schaf.

Bürger in Edelrath waren arm, hatten aber eine gute Gemeinschaft. Sie halfen sich gegenseitig. Jeder kannte jeden. Das ist heute nicht mehr so. Denn in den vergangenen Jahren ist die Bewohnerzahl regelrecht explodiert. Und die Zahl der Fachwerkhäuser ist auf vier zurückgegangen. Auf der einst landwirtschaftlich genutzten Fläche am Kursiefen Weg entstanden viele neue Eigenheime. Dennoch blieben viele Bräuche erhalten. Bis heute gehört Kränzen dazu. Es ist willkommener Anlass, um in gemütlicher Runde zusammenzusitzen und Rosen für Feste wie Kommunion oder Hochzeiten zu binden. Hanne Pätzold ist Fan dieser Überlieferung. Die 69-jährige Schwiegermutter von Tim Feister, dem Mitinitiator des Seifenkisten-Rennens, kam vor vielen Jahren von Köln über Neuenhaus nach Edelrath. Bis heute ist sie fasziniert von dieser stadtnahen Ansiedlung und möchte gar nicht mehr weg.

Das heutige Unter-Edelrath entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Dort waren ursprünglich Haupt- und Nebenerwerbslandschaft angesiedelt. Auf dem Kirmesplatz an der Eiche endeten bis in die 1960er Jahre winterliche Schlittenfahrten. Vor 70 Jahren entschieden sich dort auch die Seifenkistenrennen.

In den Jahren 1948 und 1949 wurde Edelrath für seine Rennstrecke überregional berühmt, als das „Dhünntal Kistelrennen“ mehr als 10.000 Zuschauer auf die Felder lockte. Inzwischen ist das Seifenkisten-Rennen wieder zur festen Einrichtung geworden.