Drogensüchtiger Ladendieb vor dem Amtsgericht in Leverkusen verurteilt

Prozess am Amtsgericht : Süchtiger Ladendieb mit tragischer Lebensgeschichte

„Räuberischer Diebstahl“ lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Ein 55-jähriger Mann soll im Dezember 2017 ein Bekleidungsgeschäft in der Fußgängerzone in Opladen gemeinsam mit einem Komplizen betreten haben.

Das Ziel: Ein Jogginganzug im Wert von 60 Euro.

Der Angeklagte entfernte das Preisetikett und steckte sich den Jogginganzug unter die Jacke stecken. Doch er hatte die Rechnung ohne den Besitzer gemacht. Der schöpfte bereits Verdacht, als die beiden Männer den Laden betraten und schaute auf die Livebilder seiner Kameras, die als Beweismittel vor Gericht abgespielt wurden. Als der Besitzer den 55-Jährigen ansprach, schlug der um sich und traf seinen Kontrahenten im Gesicht. Dieser muss sich später mit Hämatomen und einer blutigen Lippe im Krankenhaus behandeln lassen. Der Ladeninhaber hielt den  Dieb fest, bis die Polizei eintraf. Der Komplize allerdings verschwand zunächst mit der Beute. Er wurde später gefasst und der Jogginganzug an den Besitzer zurückgegeben.

Der Angeklagte zeigte sich geständig und entschuldigte sich beim Geschädigten. Dieser nahm die Entschuldigung mit mit dem Hinweis an, dass „Sie meinen Laden nicht mehr betreten können.“

Wie sich im Laufe des Prozesses herausstellte, stand der Angeklagte am Tag des Diebstahls unter Einfluss von Drogen und Alkohol. Während der polizeilichen Vernehmung erlitt der Mann einen epileptischen Anfall und wurde in eine Klinik gebracht. Von rund 1,5 Gramm Kokain und starkem Bierkonsum war die Rede. Seit mehr als 15 Jahren sei er schwer drogenabhängig und kurz vor der Tat hatte er gerade eine Entgiftung hinter sich. Nun will er eine erste Suchttherapie beginnen.

Seine Lebensgeschichte ist depremierend: 1988 fiel seine zweijährige Tochter in einen Teich und ertrank. Schon bald darauf griff er zu Alkohol und Drogen, bevor er gegen Ende der 90er Jahre mit kleineren Delikten auffällig wurde. Mittlerweile hat er 22 Eintragungen im Bundeszentralregister gesammelt, darunter Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl und Körperverletzung. Derzeit befindet er sich in Düsseldorf in Haft und hat neun seiner 15 Monate Haft abgesessen. Aufgrund der Tat in Leverkusen wurde diese nun auf 22 Monate verlängert.

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