Drei Leverkusener Theaterensembles spielen Gretchen 89ff

Drei freie Leverkusener Theaterensemble : Gretchen 89ff in vielen Varianten

Drei freie Leverkusener Theaterensembles zeigten eine gemeinsame Aufführung zum 50. Forum-Geburtstag.

Die freie Szene funktioniert, und sie ist nicht nur äußerst lebendig, sondern schafft es auch noch, mit ihrer unbändigen Freude am Theaterspielen, eine wundervolle gemeinsame Produktion auf die Bühne zu bringen. Das ist wohl das schönste Geschenk, das man dem Leverkusener Publikum zum 50. Jubiläum ihres Kulturtempels machen konnte, eine bunte und spritzige Version von Lutz Hübners Komödie „Gretchen 89ff“ aufführen. Längst sind das Junge Theater Leverkusen, die Studiobühne im Künstlerbunker und das Hitdorfer Matchboxtheater mit ihren Eigenproduktionen kulturelle Ankerpunkte der Stadt. Das Schönste: Man versteht sich nicht als Konkurrenten, sondern als Gleichgesinnte.

Die Hübner-Komödie, die zwar schon manches Mal auf dem Spielplan stand, eignet sich ganz besonders für so ein Unternehmen. Nicht nur, weil es sechs Schauspieler-Paaren die Möglichkeit bietet, sich der berühmten Kästchen-Szene aus Goethes Faust I anzunehmen. Sondern weil die Mitwirkenden darin das eigene Metier aufs Korn nehmen und die verschiedenen Theater-Typen, selbstverständlich mit komödiantischer Übertreibung vorführen können.

Das taten die Darsteller mit großer Lust und noch mehr Humor. Und das Regieteam – Petra Clemens, Sabine Lüer und Inge Engels-Kunz – hat es geschafft, aus dieser Szenencollage eine 90-minütige Einheit ohne Pausen und Abbrüche zu schaffen. Verbunden haben der Hausmeister und die Hospitantin die einzelnen Teile mit scharfen Beobachtungen der Theaterwelt und damit kurzer Anmoderation. Sie blieben die ganze Zeit über auf der Bühne sichtbar und gingen ihren stummen Tätigkeiten wie Scheinwerfer reparieren, Frühstücken oder Requisiten basteln nach.

Mit einem Intro auf der großen Leinwand war den Zuschauern noch einmal in Erinnerung gerufen worden, worum es bei der kurzen Gretchen-Szene auf Seite 89 ff geht. Eine rührende historische Aufführung und ganz sicher anders als es die sechs folgenden Gretchen-Darsteller auf der Bühne im Studio machten.

Zum Beispiel die verbissene Anfängerin, die im Zusammenspiel mit einem zerstreuten Regisseur nicht wirklich über die Interpretationsfrage der gefühlten Raumtemperatur hinauskommt. Oder die Hochmotivierte, die permanent von einem alten Haudegen ausgebremst wird. Das kann einer Diva natürlich nicht passieren, denn sie bestimmt wo es langgeht. Und nachdem schließlich die eigenwillige Dramaturgin zugeschlagen hat, erscheint der eingangs zitierte Wunsch berechtigt: „Hoffentlich spielen sie es wie es ist.“

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