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Drehtür-AG Begabtenförderung in Marienschule

Marienschule : Mit der Drehtür Überflieger fördern

Das Projekt an der Marienschule will Begabte bei ihren Interessen unterstützen.

Kann man den Sinn einfacher Sätze in Portugiesisch erfassen, ohne die Sprache erlernt zu haben? Es funktioniert tatsächlich, zeigte der Versuch von Hanna Brunk, die sich intensiv mit dem Phänomen „sieben Siebe -Methode“ beschäftigt hat. Mühelos übersetzten Mitschüler ihre Beispielsätze, und sie erklärte dazu den sprachtheoretischen Hintergrund mit sieben Parametern. Sie ist eine von derzeit acht Schülern, die an der Drehtür-AG der Marienschule teilnehmen.

Alle verlassen jeden Mittwoch in der sechsten und siebten Stunde den Regelunterricht, um sich knifflige Einzelprobleme vorzunehmen. „Wednesdays for future“ sozusagen. Dann können sie ganz konzentriert und von Lehrern begleitet an einem Thema arbeiten, das sie schon immer besonders interessiert hat. Jeder macht etwas völlig anderes, beschäftigte sich zum Beispiel mit Komplexen Zahlen, Tierpsychologie, Elektromagnetischen Wellen, Krebsarten oder der Frage, ob sich Intelligenz steigern lässt. Jetzt stellten sie ihre Ergebnisse mit einer kurzen Präsentation den Mitschülern vor.

Darunter saßen vielleicht auch einige, die demnächst in die Drehtür-AG einsteigen wollen, die nun bereits in dritter Folge lief. Konzipiert wurde das Programm für „forderbedürftige“ Schüler, erläutert Lehrerin Annette Schäfer, die dabei die sprachlich-geisteswissenschaftlichen Themen betreut, während sich ihr Kollege Ulrich Rasbach für die mathematisch-naturwissenschaftlichen zuständig ist.

Neben verschiedenen Bausteinen zur Förderung von Schülern mit Defiziten kamen die Überflieger früher oft zu kurz. Das führte dazu, dass sie im Regelunterricht abschalteten, weil sie vom dem, was durchgenommen wurde, unterfordert waren. Lehrer schlagen solche Schüler, in Absprache mit den Eltern, für die Drehtür-AG vor. Alle müssen sich verpflichten, den versäumten Unterricht selbständig nachzuholen. Das habe bisher problemlos funktioniert, ist die Erfahrung von Annette Schäfer. Sollte es jemand nicht schaffen, könne der Vertrag natürlich sofort gelöst werden.

Mit den Ergebnissen seien bisher alle zufrieden. Klassenlehrer hätten festgestellt, dass die entsprechenden Schüler geradezu aufblühten. Auch für die Klassen gebe es positive pädagogische Effekte. Dann nämlich, wenn der Schüler, der normalerweise das Unterrichtsgeschehen vorantreibt, einmal fehlt. Für den Instrumentalunterricht gibt es dieses Drehtür-Modell in Kooperation mit der Musikschule bereits an einigen Schulen, seit Sommer auch an der Marienschule. Bei der Begabungsförderung sei es wichtig, das Potenzial zu erkennen, berichtet Schäfer. Dies sei ein Baustein in einem sorgfältig entwickelten Gesamtkonzept, in dem jeder seinen Platz hat.

Dabei wurden unter dem Begriff MIA (Marienschule Ingenieur Akademie) auch neue Kombifächer entwickelt. Zum Beispiel von Physik und Englisch, das dann von zwei Fachlehrern unterrichtet wird. Da gebe es sogar einen Austausch auf fachlicher Ebene mit Schülern der englischen Partnerschule in Romford, ergänzt die Lehrerin der Marienschule.