Leverkusen: Dortmund und Lüdenscheid schaffen Carl-Duisberg-Straßen ab

Leverkusen: Dortmund und Lüdenscheid schaffen Carl-Duisberg-Straßen ab

Die Dortmunder Carl-Duisberg-Straße wird künftig nicht mehr nach dem Generaldirektor der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. heißen, sondern in Kleine Löwenstraße umbenannt. Das hat jetzt die zuständige Bezirksvertretung in Dortmund beschlossen.

Die Dortmunder Carl-Duisberg-Straße wird künftig nicht mehr nach dem Generaldirektor der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. heißen, sondern in Kleine Löwenstraße umbenannt. Das hat jetzt die zuständige Bezirksvertretung in Dortmund beschlossen.

Empfohlen hatte die Namensänderung das Dortmunder Stadtarchiv, das gleich Änderungen von sechs Straßen mit Namen historisch belasteter Persönlichkeiten zur Änderung vorschlug. Aus dem Stadtarchiv hieß es zur Begründung: "Während des Ersten Weltkriegs wurde unter seinem Vorsitz Giftgas für den Kriegseinsatz produziert. (...) Duisberg gehörte zu den führenden deutschen Industriellen, die während des Krieges die - auch nach dem damals geltenden internationalen Kriegsrecht illegale - Deportation belgischer Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland durchsetzten."

Gedenkplatte für Carl-Duisberg im Park an der Kaiser-Wilhelm-Allee in Wiesdorf. Foto: Uwe Miserius

Bayer hatte dem Stadtarchiv damals Hilfe bei der Recherche zu Duisberg zukommen lassen. Dies sei dankend zur Kenntnis genommen worden, berichtete ein Bayer-Sprecher gestern. Die Namensänderung in Dortmund werde jetzt auf den Weg gebracht, bestätigte am Dienstag ein Stadtsprecher.

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Auch in Lüdenscheid soll der Name Duisberg aus dem Stadtbild verschwinden. Der Rat der sauerländischen Stadt hat Anfang des Monats beschlossen, den Duisbergweg umzubenennen. Auch hier hatte das Stadtarchiv zuvor eine Bewertung vorgenommen, bescheinigt dem Chemiker Positives: "... ein echter Selfmademan, der sich aus bescheidenen Verhältnissen zu einem der wichtigsten, wenn nicht sogar dem wichtigsten Manager der heutigen Bayer AG, hocharbeitete. Etwas vereinfachend könnte man sagen: Ohne Duisberg würden Werk und Stadt Leverkusen heute (so) nicht existieren." Doch Duisberg sei auch verantwortlich für die Produktion von Giftgas, heißt es in der Stellungnahme.

Wie der Duisbergweg künftig heißen soll, "wird Anfang des Jahres beschlossen", berichtete Stadtsprecher Wolfgang Löhn. Noch könnten die Anlieger Vorschläge zum neuen Namen machen.

In Leverkusen bleibt die Carl-Duisberg-Straße erstmal so wie sie ist; ein Bürgerlisten-Antrag auf Namensänderung war Ende September abgelehnt worden. Die Bürgerliste stützte ihren Antrag dabei auf die Aussage, Duisberg sei Mitglied im antisemitischen Alldeutschen Verband gewesen. Bayer hatte seine Unternehmenshistoriker recherchieren lassen und basierend auf den Ergebnissen der Aussage widersprochen. Ebenso sei nicht belegt, dass Duisberg ein Gegner der Weimarer Republik gewesen sei. Das hatten Kritiker in der Umbenennungsdiskussion in verschiedenen Städten dem Industriellen ebenfalls vorgeworfen.

(RP)
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