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Dokumentationsausstellung über Deportation und Massenmord im Leverkusener Forum

Ausstellung zum Holocaust : Der Wald der Toten als Mahnung

Am Holocaustgedenktag eröffnete die Volkshochschule im Forum eine Dokumentationsausstellung über Deportation und Massenmord in Riga.

„Es darf keinen Schlussstrich geben“, zitierte VHS-Leiter Gerd Struwe den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier bei der Erinnerungs-Feier am Holocaustgedenktag, die in Leverkusen immer verbunden ist mit der Eröffnung einer Dokumentations-Ausstellung. Das gilt auch 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945.

Denn: „Einen Schlussstrich hat es über Jahrzehnte gegeben“, sagte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei in der kleinen Forum-Galerie und meinte damit die 25.000 deutschen Juden, die 1941 und 1942 von deutschen Truppen ins besetzte Riga deportiert und im Wald von Bikernieki reihenweise erschossen und in Massengräbern verscharrt wurden.

Als der Mann, der vor 20 Jahren das Deutsche Riga-Komitee in Berlin mitbegründet hatte, nach der Maueröffnung erstmals nach Riga reiste, waren dort sämtliche Spuren des Holocaust ausgelöscht. Die Nazis hatten dort 1944 sämtliche Spuren beseitigt. Sie ließen die Massengräber von Häftlingen ausheben, die Leichen in Industriemühlen zerkleinern und verbrennen, um die Asche auf den Straßen zu verstreuen und so spurlos verschwinden zu lassen. Man habe diese Menschen dort doppelt vernichtet, nicht nur ganzen Familien das Leben genommen, sondern nachträglich auch noch jede Erinnerung an sie ausgelöscht.

Die Details der Geschichte dieser Deportationen und des Massenmordes, die unglaubliche Grausamkeit aller Beteiligten, wurden recherchiert und dokumentiert vom Deutschen Riga-Komitee. Dessen Zielsetzung war von Anfang an, Licht in dieses dunkle Stück Geschichte zu bringen, die Identitäten der dort vernichteten Menschen zu erkunden und in der Öffentlichkeit darüber zu berichten. Verschiedene Aktivitäten zur Erinnerung und Mahnung an das grausame Geschehen folgen: Workcamps mit Jugendlichen, Gedenkreisen aus Partnerstädten oder Symposien und die Dokumentation der Namen in dem zweibändigen „Buch der Erinnerung“.

Auch Menschen aus dem heutigen Stadtgebiet von Leverkusen waren in den Deportationszügen, die am 10. und 11. Dezember 1941 aus Köln und Düsseldorf in Riga eintrafen. Oberbürgermeister Uwe Richrath verlas in seiner Ansprache deren Namen – gegen das Vergessen.

In der Wander-Ausstellung mit bebilderten Text-Fahnen, die derzeit im Forum zu sehen ist, wird kurz die Geschichte dieser Deportationen und des Massenmordes dargestellt. Ebenso die Bemühungen um die Schaffung und Ausgestaltung einer vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge angelegten Gräber- und Gedenkstätte für die Ermordeten im Wald von Riga-Bikernieki. Die Bemühungen verschiedener Seiten bis zu den Überlegungen des Architekten Sergejs Rizs zu einer Gedenkstätte in Riga-Bikernieki finden breiten Raum.

Der Ort dient, wie alle Kriegsgräberstätten, der Erinnerung und zugleich Mahnung, auch heute und in Zukunft wachsam zu sein, damit sich so etwas nie wiederholt. So wie sich auch die Klezmer-Ensembles der Musikschule Leverkusen verstehen, deren sechste Generation der Ausstellungseröffnung den passenden musikalischen Rahmen gab.