Diskussion über Pestizide in Landwirtschaft in Leverkusen

Faire Woche : Diskussion über Pestizide in Landwirtschaft

„Faire Woche“ macht Halt in der Marienschule. Landwirte diskutierten mit Vertretern von Bayer.

Die „faire Woche“ in Leverkusen hat einen Halt in der sehr gut besuchten Aula der Marienschule in Opladen eingelegt. Thema bei der rund 90-minütigen Podiumsdiskussion war die Frage, wie eine zukunftsfähige Landwirtschaft denn überhaupt aussehen könnte, gerade in einer globalisierten Welt wie heute.

Eingeladen war unter anderem Juliana Mendoza, eine Kleinbäuerin aus Paraguay, die durch den Sojaanbau der benachbarten Felder schwer leidet. Ihre Erdnussernte auf ihrem kleinen Fünf-Hektar-Feld geht kaputt. Obwohl es Gesetze gebe, würden die großen Konzerne und Großgrundbesitzer die Behörden schmieren und durch Korruption verhindert werden, dass nicht vernünftig und legal Landwirtschaft betrieben könne.

Stela Benitez, Kinderärztin aus Paraguay bestätigt die Gefahr von Pestiziden wie Glyphosat: „Wir haben eine Studie bei ungeborenen Babys durchgeführt“, erzählt sie, „Die Erbschäden sind doppelt so hoch bei permanent geschädigten Babys wie bei Babys, die nur biologischer Landwirtschaft ausgesetzt sind.“

Ingemar Buehler von Bayer CropScience widersprach. Chemikalien und Medikamente seien für ungeborene Babys oder schwangere Frauen immer schädlich. Aber Glyphosat sei nicht schädlicher als Waschmittel oder Backpulver. Als normaler Konsument sei Glyphosat völlig ungefährlich. Leider sei das Thema in den Medien sehr negativ belastet. Es würde sich wie ein Krimi lesen. Damit sei niemanden geholfen. Es hätten sich 160 Behörden weltweit intensiv mit dem Thema beschäftigt: „Sie können mir glauben, dass wir die höchsten Standards der Behörden einhalten und keine Produkte auf den Markt bringen, die für den Menschen gesundheitsschädlich sind“, warb er für mehr Akzeptanz.  Man müsse Koexistenten bilden zwischen konventionellen Bauern und ökologischen Landwirten.

So, wie zum Beispiel Frank Paas, Landwirt in Burscheid. Sein Sieferhof hat es 2016 gewagt, von konventioneller Landwirtschaft auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. „Wir besitzen 65 Kühe und 75 Hektar Land. Natürlich mussten wir versuchen, ökonomisch zu bleiben und konnten erst vor drei Jahren den Schritt wagen, ökologisch zu werden.“

Denn die Umstellung dauere laut Gesetzgebung zwei Jahre, bezahlt werde man aber noch als konventioneller Bauer und dadurch entstünden in dieser Zeit erhebliche finanzielle Nachteile. So müsse man zunächst auf den Verzicht auf mineralische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel umstellen und für die Tiere mehr Platz und frische Luft bieten. Das würde insgesamt doppelt so viel kosten wie konventionelle Arbeit.

Britta Demmer vom Naturgut brachte es auf den Punkt. Um auf die Pestizid-Debatte einzuwirken, muss der Verbraucher als Konsument nachhaltig bestimmen, was er ist. Stela Benitez merkte an: Nur Glyphosat sei vielleicht nicht schädlich, aber ihre Studie beweise, dass in der Praxis weitere Gifte hinzugefügt werden, die sich gegenseitig potenzieren. Und so seien die Sojapflanzen, die in Paraguay angebaut würden, krebserregend und würden das Bienensterben beschleunigen.

Mehr von RP ONLINE