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Leverkusen: Digitale Stromzähler: bald Stromtarife wie bei Handys?

Leverkusen : Digitale Stromzähler: bald Stromtarife wie bei Handys?

Die alten Stromzähler mit den silbernen Drehscheiben haben in Leverkusen bald ausgedient. Die EVL lässt jetzt digitale Strommessgeräte einsetzen. Sinn der gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahme: Jeder Verbraucher kann auf einem Display oder am eigenen PC den aktuellen Stromverbrauch lesen. Oder die Energiekosten des letzten Monats, eines Halbjahres etc.. Rasen die Kilowattstunden nur so durch die "Uhr", ermuntert dies die Verbraucher, stromfressende Geräte abzuschalten. Hoffen die Urheber der Vorschriften. Weniger Stromverbrauch bedeutet weniger Kraftwerksleistung und damit mehr Umweltschutz.

Testgebiet "Bullenwiese"

Zunächst testet die Energieversorgung Leverkusen (EVL) die "intelligenten Stromzähler" im Wohngebiet "Bullenwiese". Dort liegen komplett neue Versorgungsleitungen. Zudem verfügen die Häuser über Solaranlagen (über die Strom ins EVL-Netz gespeist wird) und Wärmepumpen. Ein ideales Testgebiet für die Installation der ersten 214 digitalen Stromzähler, die pro Stück rund 70 Euro kosten.

Testschritt 1: Die alten Zähler werden gegen neue ausgetauscht. Umbauten sind nicht nötig.

Testschritt 2: Der Zähler wird digital mit dem Stromnetz verbunden, die Verbrauchsdaten werden automatisch über das EVL-Netz in die Zentrale am Overfeldweg geleitet. Ob die Übertragung im EVL-Netz gut klappt, ist offen. Der Kunde soll dabei bestimmen können, welche Verbrauchsdaten gespeichert werden: von "alle" bis "jährlich" ist technisch vieles drin.

Testschritt 3: Der EVL-Kunde kann seine Verbrauchsdaten übers Internet abrufen und am heimischen PC oder am Firmen-Computer verarbeiten.

Die digitalen Stromzähler werden von RWE schon seit 2008 in Mülheim a. d. Ruhr eingesetzt. 100 000 Stück für 20 Millionen Euro. Während der Leverkusener Testphase muss der EVL-Kunde nichts für die neuen Zähler zahlen. Später könnte dies etwas kosten, sagte gestern EVL-Projektleiter Lothar Höveler.

Grund: Dank digitalem Zähler kann die EVL Strom minutengenau verkaufen. Der Fall: Die Windkraftanlagen liefern beispielsweise viel Strom, weil gerade guter Wind weht. Die EVL-Zentrale kann die Energie günstig einkaufen. Dann wird die EVL Kunden per Mail, SMS oder sonstwie ein Sonderangebot machen. Schlägt der Kunde zu und lässt Waschmaschine, Trockner oder Produktionsgeräte laufen, rechnet die EVL genau ab.

"Dynamische Stromtarife"

Könnte ein Schnäppchen für beide Seiten sein – wenn der Kunde durchblickt. Die neue Zählertechnik eignet sich dazu, den Strom zu unterschiedlichen Preisen zu liefern – abhängig von der Tageszeit und dem Wochentag. "Dynamische Tarife" nennen die Stromlieferanten dies. 2010 wird das in Leverkusen Realität, sagte Höveler. Als Vorbild gelten die Tarifmodelle für Handy-Nutzer, die kaum noch wissen, wer der günstigste Anbieter ist.

Eines lässt sich automatisieren: die Abrechnung. Wer will, kann auf die monatlichen Abschlagszahlungen verzichten und nur bezahlen, was er verbraucht hat. Später sollen auch Gas und Wasser digital gemessen werden. Dann schwanken die Monatszahlungen sehr. Da lohnen sich die alten Vorauszahlungen als Ansparvariante vielleicht doch...

(RP)