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Digitale Fotoschau im Museum Morsbroich in Leverkusen

From A to B : Digitale Fotoschau im Museum Morsbroich

Zum ersten Mal wird eine Ausstellung im Schloss eröffnet, zu der niemand eingelassen wird. Bis zum 10. Januar findet alles virtuell statt.

Das hat es tatsächlich noch nie gegeben. Am Sonntag startet die neue Ausstellung im Museum Morsbroich, aber keiner wird eingelassen. Und das bleibt bis mindestens bis 10. Januar so. Für diese Zeit setzten der kommissarische Museumsleiter Fritz Emslander und Gast-Kuratorin Heide Häusler auf digitale Formate, die hoffentlich neugierig machen auf das, was es hinter vorübergehend verschlossenen Türen bis 7. März zu entdecken gibt. „From A to B“ lautet der Titel der Fotoausstellung über Straßen, Highways und Datenströme, die sich mit der (Verbindungs-)Linie auseinandersetzt.

Und das genau in einer Zeit, in der wir am Schnittpunkt von physischen Wegen und digitalen Alternativen angekommen sind. Beide verbindet die Linie, die Menschen von A nach B und zurück bringen sollen und die durch Kurven und Verzweigungen immer mehr Möglichkeiten der Richtungsänderung zulässt. Zu sehen sind 17 unterschiedliche Positionen auf zwei Etagen. Die untere ist eher als (auch historische) Einführung gedacht, die Fortsetzung im ersten Stock geht auf unterschiedliche Weise in die Tiefe.

  • Kuratorin Barbara Steingießer zeigt die Entwicklung
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  • Im Museum Kaiserswerth v.l. die Kuratorinnen
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  • Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums,
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Den Auftakt bildet eine Großprojektion mit Werken von 42 Fotografen der Agentur Magnum, eine der weltweit bekanntesten Fotoagenturen. In einer Neun-Minuten-Folge wechseln Aufnahmen von unterschiedlichen Straßen, von der geraden Landstraße bis zu komplizierten mehrstöckigen Konstruktionen, die Verkehrsströme in unterschiedliche Richtungen lenken. Ein Eindruck zwischen Faszination und Abscheu, der offenbar auch vom Zeitgeist bestimmt ist. Speziell in Leverkusen war man 1970 so stolz auf das schicke neue Autobahnkreuz in Kleeblattform, die Luftaufnahme den Flyer des Stadtmarketing zierte. Die Kuratorin aus Leverkusen hat entsprechende Fotografien von ihrer einst als Autostadt gepriesenen Heimat aus dem Stadtarchiv in die kleinen Zwischenräumen gehängt, um Bezüge zwischen künstlerischer Auseinandersetzung und der Realität vor Ort zu schaffen.

Die ist auch Thema des Publikums-Projekts „Porträt einer Straße“ im Treppenhaus. Da sind Besucher aufgerufen, ihre persönliche Aufnahme von der Gustav-Heinemann-Straße/Rathenaustraße zwischen Rathaus und Museum beizusteuern. Ästhetisch anmutende Blicke auf verschlungene Trassenführung in Shanghai ebenso wie auf Beton-Kolosse zwischen Wohnsiedlungen italienischer Städte (Sue Barr), einen irrealen Freeway in einsamer Weite Arizonas oder zerstörte Verkehrswege durch Krieg im Irak und Erdbeben in Japan (Philip Jones Griffiths).

In einem Raum sind Auto-Atlanten ausgelegt, in denen Kathy Prendergast alle Verbindungen schwärzte, so dass nur noch kleine weiße Zielpunkte blieben, wie bei einer Sternenkarte. Straßenarchitektur hat als Fortschritts-Metapher ausgedient, Datenautobahnen sind an die Stelle getreten. Auch diesen Aspekt beleuchtet die Schau, etwa mit einer Aufnahmeserie von Server- und Kabelräumen (Henrik Spohler) oder von Markierungen im Wald, die den Verlauf einer Glasfaserleitung kennzeichnen (Emma Charles).

Ab Sonntag sendet das Museum Podcasts mit Künstler-Gesprächen und Hintergrundinfos, in einer Woche folgt ein virtueller Rundgang: www.museum-morsbroich.de.