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Leverkusen/Leichlingen: Diepentalsperre: Kampf um die Idylle geht weiter

Leverkusen/Leichlingen : Diepentalsperre: Kampf um die Idylle geht weiter

Wut und Hilflosigkeit wechseln sich in den Kommentaren der Diepental-Freunde zur neuesten Entwicklung der Talsperre ab. Vor allem im Netzwerk Facebook machen die Bürger ihrem Herzen Luft. Ein paar wenige Fans des Naherholungsgebietes agieren auch lösungsorientiert.

"Es muss mehr Werbung gemacht werden, und es braucht Geld", schreibt ein Facebook-Nutzer. Seine Idee: "Veranstaltet ein Freiluft-Konzert oder Sommerfest." Es müsse was los sein in Diepental, auch später noch, damit die Gastronomie leben könne. "Es gibt da in der Nachbarschaft Fachleute für große Feten...", heißt es weiter. Da werden dem Pattscheider Veranstaltungs-Profi Werner Nolden die Ohren klingeln, denn er ist als erfahrener Organisator der "Bierbörse", der "Kölner Lichter" und anderer Großveranstaltungen gemeint.

Auch die Freunde der Balkantrasse sollen als Vorbild dienen. Immerhin haben sie in Privatinitiative die ehemalige Bahntrasse als Rad- und Fußweg gerettet — ein Millionenprojekt, das anfangs unmöglich schien.

Auslöser der neuen Protestwelle ist die Mitteilung des Wupperverbandes von Mittwoch. Der Verband, die Städte Leichlingen und Leverkusen sehen nur zwei Lösungen:

1. Wiederherstellung der Talsperre zu Erholungs- und Freizeitzwecken. Dies bedeute eine Mindestinvestition von einer Million Euro.

  • Fotos : Talsperre Diepental versinkt im Matsch
  • Fotos : Protest an Diepentalsperre
  • Leichlingen/Leverkusen : Wird Diepentalsperre aufgegeben?

2. Die Talsperre wird aufgegeben, der Murbach wird renaturiert. Das schein billiger. Der Wupperverband lässt dazu eine Machbarkeitsstudie erarbeiten. Die Ergebnisse sollen noch dieses Jahr vorliegen.

Die zwei Varianten sind das Ergebnis eines Treffens vom Dienstag bei der Bezirksregierung Köln. Die Talsperrenbetreiber Ursula Halbach und Erik Weigelhofer-Halbach durften ihre Sicht der Dinge darstellen. Schon vor Wochen gab es von Halbachs diese Erklärung: "Kein vernünftiger Unternehmer wendet weitere 200.000 Euro für die Sanierung einer Hochwasserentlastungsanlage auf, wenn er nur noch eine Perspektive von zehn Jahren hat, die sich aus der Restlaufzeit der derzeit gültigen Bewilligung ergeben. Die Investitions- und Planungssicherheit ist derzeit nicht gegeben."

Als Fazit hieß es in dem Schreiben: "Naherholung, Hochwasserschutz und regenerative Energie aus Wasserkraft werden durch ein und dasselbe Bauwerk erzeugt. Alle drei Erzeugnisse stiften Nutzen und liegen in öffentlichem Interesse, folglich muss auch der Erhalt des Bauwerkes im öffentlichen Interesse liegen. Ohne öffentliche Hilfen kann die Talsperre und das Naherholungsgebiet jedenfalls nicht erhalten werden, da die Erträge aus der Anlage per Gesetz (EEG) nicht auskömmlich sind. Die Politiker müssen nun entscheiden, ob eine nicht ökonomische Anlage zum Wohle der Öffentlichkeit erhalten bleiben soll, oder ob man dem weiteren Verfall der Anlage und einem gegebenenfalls erforderlichen Rückbau tatenlos zusehen möchte."

Opladens Bezirksvorsteher Rainer Schiefer (CDU) fordert jetzt von der Stadt Informationen zum Stand der Gespräche in der nächsten Sitzung des Bezirks II.

FDP-Ratsherr Jochen Ries hat sich über Facebook schon an die Leverkusenerin Lea Becker gewandt, die eine Initiative zum Erhalt der Diepentalsperre gegründet hat. Er sei für den Erhalt des "landschaftlich reizvollen Naherholungsgebietes". Und dann stellt Ries viele Fragen, die sich im Grundsatz um die Finanzierung der Talsperren-Sanierung drehen, etwa: Ob die Eigentümer die Kosten tragen können oder die Anwohner als Hauptnutzer des Gebietes zu beteiligen sind? Kann die Stadt Leichlingen helfen? Gibt es Fördermittel von Land und Bund? "Bei allen schönen Reden und Lippenbekenntnissen wird es letzten Endes um die Beantwortung dieser Fragen gehen!", schreibt Ries.

Bezirksvorsteher Schiefer sieht es in einem Punkt ebenso: Die virtuellen Versprechen im Internet seien ja nett, aber wenn es auf echte Hilfe ankomme, dann sei darauf oft wenig Verlass. Klar sei: Der Verlust der Talsperre wäre ein "Riesenverlust".

Offen ist, wie sich die SPD verhält: Die Leverkusener Genossen wollen die Talsperre erhalten, versprachen sie vor der Schockmitteilung des Wupperverbandes. Landtagsabgeordnete Eva Lux (SPD) könnte da sicher helfen.

Ein Talsperrenfan postete: "Jetzt wird gespart. Der Bach wird in ein Steinbett gezwängt, es werden daneben Einfamilienhaus-Siedlungen entstehen. Und in zehn Jahren kommt eine Flut und zerstört alles. Dann kostet es eben Millionen, die Schäden wieder zu beheben."

(RP)