Leverkusen: Die tragische Komik des Truman Burbank

Leverkusen : Die tragische Komik des Truman Burbank

Die Freie Theatergruppe am Freiherr-vom Stein-Gymnasium bringt den Film "Truman-Show" gekonnt auf die Bühne.

Mit lautem Scheppern landet ein Theater-Scheinwerfer auf dem Boden und verfehlt den Hauptdarsteller nur um Haaresbreite. Es sieht so echt aus, dass Zuschauer in der Aula des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, die den Film "Die Truman-Show" noch nicht kennen, eine peinliche Panne der Bühnencrew vermuten. Tatsächlich ist dieser Beinahe-Unfall Teil der Inszenierung von Lehrerin Edith Englich-Errens, markiert er doch den Wendepunkt in der Story, die Peter Weir 1998 mit Jim Carrey in der Hauptrolle drehte.

Die Freie Theatergruppe des Schlebuscher Gymnasiums, die zum größten Teil aus "Ex-Stones" besteht, bringt nun die Theaterfassung des Stoffes auf die Bühne. Am vergangenen Wochenende fanden letzte intensive Proben statt, am Freitag, 20. September, ist die Premiere.

Truman Burbank, von Kaspar Dedy als ernsthafter Mensch dargestellt, ahnt nicht, was die Zuschauer im Saal vom ersten Augenblick an- sehen können. Sein Leben verläuft nach Drehbuch und wird als Reality-Serie täglich im Fernsehen übertragen. Eine ganze Fangemeinde beobachtet ihn und sein Leben und kuschelt sich dabei gemütlich aufs Sofa wie die beiden Damen im angedeuteten Wohnzimmer auf der rechten Vorbühne.

Auf der anderen Seite ist die Regiezentrale zu sehen, die auf unvorhergesehene Ereignisse spontan reagieren muss. Und Regisseurin Christin (Helena Markos) muss zunehmend handeln. Denn nach dem Scheinwerfer-Sturz ist nichts mehr wie vorher. Truman — bis dahin ahnungslos, dass seine kleine idyllische Vorstadtwelt nur bestens abgeschirmte Filmkulisse ist —, wird misstrauisch. Die Hinweise verdichten sich. Er erkennt, dass die Autos auf seiner Straße immer in derselben Abfolge vorbeifahren oder dass er mehrfach derselben Frau begegnet, die tatsächlich mehrere kleine Rollen in der Truman-Show spielt. Alle Menschen in seinem Leben sind Schauspieler, inklusive Ehefrau Meryl (Julia Däschinger), Mutter Alanis (Mareike Klassen) und dem vermeintlich ertrunkenen Vater Kirk (Richard Sengfelder), den Truman in einem Penner erkennt. Von nun arbeitet er an einem Fluchtplan aus dieser Scheinwelt und zieht nur seinen Freund Marlon (Oliver Büttner) ins Vertrauen.

"Für die jüngeren Zuschauer unter uns" gibt Moderatorin Megan (Farina Törmer) zwischen den kurzen Szenenschnitten erklärende Zusammenfassungen. Außerdem werden, wie in einer echten Serie, auch auf der Bühne kleine Rückblicke "eingeblendet".

Das Stück ist ebenso unterhaltsam wie tragisch und wirft natürlich eine Menge kritische Fragen auf — zu Medienkonsum, Überwachungstechnik und Menschenwürde. Nach dem Filmdreh ist noch eine weitere Dimension hinzugekommen, die sozialen Netzwerke, in denen sich Menschen freiwillig in eine Art Truman-Welt begeben.

(mkl)
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