Leverkusen: "Die Stimme" aus 17 Kinderkehlen

Leverkusen: "Die Stimme" aus 17 Kinderkehlen

In ihrer Nachmittagsbetreuung haben Schüler der Waldschule ein Musical einstudiert. Die Premiere war ein Erfolg.

Eigentlich scheint es ein ganz normaler Schulalltag zu sein. Die Pausenklingel beendet das Gewimmel auf dem Hof, alle 17 Kinder nehmen in der Klasse ihre Plätze ein, denn gleich soll ein Test geschrieben werden. Doch der Lehrer kommt nicht, stattdessen verkündet eine Lautsprecherstimme, dass alle vier Aufgaben erfüllen müssen, bevor sie nach Hause gehen dürfen. "Waldwanderung" lautet der erste Auftrag. Die Bänke werden hochkant gestellt, darüber Baumbilder entrollt, und schon ist die passende Kulisse für diese Szene des Musicals "Die Stimme" fertig.

Kinder der OGS Waldschule haben seit September daran gearbeitet. Sie haben kurze Sprech-Texte und Lieder geübt, passende Bewegungen probiert und mit einfachen Mitteln ein variables Bühnenbild geschaffen. Am Montagnachmittag war Premiere vor Freunden, Geschwistern, Eltern und Lehrern. In der Aula war kein einziger Stuhl mehr frei.

Die 17 Akteure der dritten und vierten Schuljahre sind dabei ganz schön ins Schwitzen gekommen. Aber nicht etwa wegen der Furcht vor Texthängern oder Pannen, dazu war die Aufführung viel zu gut vorbereitet. Sondern wegen der Scheinwerfer, die bei den sommerlichen Temperaturen zusätzlich einheizten. Aber die unterschiedlichen Lichtstimmungen waren entscheidend für die Illusion. Warmes Gelb vermittelte einen sonnigen Wandertag, zunächst. Doch dann wechselte die Farbe passend zur Liedstrophe "Dass die Sonne sich verdunkelt, hatte man schon oft gesehen...", in der von Unwetter, Sturm und Beben die Rede ist, was Kindern verständlicherweise Angst einjagt.

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Der Song "Riesenglück" aus dem Musical Tabaluga ist das Lieblingslied des neunjährigen Malte, der mit besonderem Engagement einstimmte. Er hat schon früher auf dieser Bühne gestanden. Nämlich bei kleineren Theaterprojekten von Eva-Marie Monhof, die inzwischen ihr Anerkennungsjahr als Erzieherin in der OGS Waldschule abgeschlossen hat. Das Musical "Die Stimme" hat sie selbst für diese Gruppe geschrieben und auch Regie geführt. Leon Gleser begleitete die Kinderstimmen am Klavier. Zur eigenen Geschichte, die neben Spaß und Spannung auch eine Botschaft vermittelt, hat die Autorin bekannte Songs gestellt. Beispielsweise Balus Lied aus dem Dschungelbuch "Probier's mal mit Gemütlichkeit", das die Kinder bei einem Ausflug durch die Aula sangen.

Nachdem sie brav der rätselhaften Stimme gefolgt sind und sich mutig der Angst gestellt haben, sollen sie nie mehr Angst verspüren. Solche Belohnungen werden auch für die anderen Aufgaben versprochen: nie mehr Wut oder Traurigkeit. Klingt ganz nett, doch als bei Punkt vier die Freude auf dem Spiel steht, erkennen die Kinder, dass alle Gefühle wichtig sind. Nur wer mal wütend ist und sich streitet, kann sich auch wieder vertragen, wer Traurigkeit kennt, kann auch ausgelassen fröhlich sein. Denn: "Ich bin doch keine Maschine" singen sie den Hit von Tim Bendzko nach.

(mkl)