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Leverkusen: Die Stadt im Kunst-Fieber

Leverkusen : Die Stadt im Kunst-Fieber

Turbulent, frech, hochkarätig – die siebte Leverkusener Kunstnacht begeisterte die zahlreichen Besucher. An 38 Standorten in der Stadt war in Sachen Ausstellungen, Musik und Lesungen für jeden Geschmack etwas dabei.

Turbulent, frech, hochkarätig — die siebte Leverkusener Kunstnacht begeisterte die zahlreichen Besucher. An 38 Standorten in der Stadt war in Sachen Ausstellungen, Musik und Lesungen für jeden Geschmack etwas dabei.

Während es für die eine der erste Besuch des Kunstspektakels war ("Nicht zu glauben, ich war noch nie hier!"), schwelgte die andere noch in Erinnerungen an die künstlerische Nacht im vergangenen Jahr: "Da haben wir hier um 22.30 Uhr noch eine Führung mitgemacht", sagte eine Frau, die mit ihrer Bekannten am Freitag auf das Schloss Morsbroich zusteuerte.

Kurz nach 18 Uhr gab Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn im dortigen Spiegelsaal den Startschuss für die siebte Leverkusener Kunstnacht. "In der Ehe ist es ja so, dass es im siebten Jahr anfängt zu kriseln", sagte der Stadtchef, nachdem die Indie-Pop-Band "Miaomio" die Besucher musikalisch eingestimmt hatte. "Hier lässt sich davon aber nichts erahnen, es geht turbulenter zu als je zuvor", betonte Buchhorn.

Stamm aus Namibia

An 38 Standorten in der Stadt war in Sachen Ausstellungen, Musik und Lesungen für jeden Geschmack etwas dabei. In der Villa Rhodius in Schlebusch etwa ging es afrikanisch zu: Künstler Thomas Lüttgen stellte Impressionen aus der Welt der Himbas aus, einem Stamm aus Namibia. Bei einigen Werken wandte der Künstler seine so genannte "Crossthing"-Technik an. Der Hintergrund, der aus aufgesprungenem Steinboden besteht, und das Foto selbst verschmelzen miteinander. Lüttgen möchte damit die Vergänglichkeit des Stammes symbolisieren: "Authentische Himbas gibt es ungefähr nur noch 5000, die Zivilisation in dem Gebiet greift immer mehr um sich."

Eine Reihe von Teelichtern lotste die Kunstinteressierten zum Atelier-Eingang von Bernd Wachtmeister in Bürrig. Der 47-Jährige erschafft Kunst am Computer: Mit Hilfe von Vektoren formt der gelernte Grafikdesigner abstrakte und farbenfrohe Figuren. Um den Besuchern eine Vorstellung von seiner Arbeit zu geben, zeigte er am Rechner, wie seine Bilder entstehen.

Nicht minder bunt waren die Werke von Jürgen Trzebinczyk. Der Kölner Künstler versprach in den Räumen des Jungen Theater Leverkusen "poppigen Surrealismus": Mit seinen zum Teil zweideutigen und gesellschaftskritischen Bildern will Trzebinczyk vor allem provozieren. "Die Leute finden die Sachen zwar interessant, würden sie sie sich aber nicht an die Wand hängen", sagte der Künstler.

Wer nicht mit dem eigenen Auto die Stationen ansteuerte, erkundete per Shuttlebus die Leverkusener Kunstnacht — wobei sich die Busse selbst in Kunstwerke verwandelt hatten. RP-Fotograf Uwe Miserius präsentierte seine Ausstellungen "360" und "Linie", ein anderer Shuttlebus war mit Heinz-Friedrich Hoffmanns schwarz-weißen Porträtfotos von Musikern geschmückt, die allesamt schon in der Wiesdorfer Jazzkneipe "topos" aufgetreten sind.

Mit einem eigenen Bus waren 30 Schüler der Bläserklasse der Stufe sechs und Bläser-AG der Gesamtschule Schlebusch unterwegs. An ausgewählten Stationen machten sie Halt, um Künstler und Gäste musikalisch zu überraschen. "Der Förderverein der Schule hat extra einen Bus für uns gemietet", erzählte Musiklehrerin Annette Piel erfreut. Mit von der Partie waren auch einige Eltern, die beim Tragen und Verstauen der Instrumente halfen. Letzte Station der Jungmusiker an diesem Abend war das NaturGut Ophoven: Dort bestimmten farbige Unterhosen mit frechen Sprüchen das Bild in der Burg. Das erste Mal kamen zu der Ausstellung von Bert Gigas auch Bilder dazu — Fotograf Roman Breitwieser hatte gemeinsame Freunde abgelichtet, wie sie im Keller, vorm Bücherregal oder im Supermarkt mit den "Ungerbotzen" posieren. Einmal liegen die Models vor einem Schokoladen-Brunnen, auf ihren Hosen steht "Igitt — Schoki".

(jube)