Leverkusen: Die "Queen Mum" trinkt gerne Korn

Leverkusen: Die "Queen Mum" trinkt gerne Korn

Luise Heinrichs hat gestern ihren 101. Geburtstag gefeiert. Bis heute hat es die Opladenerin geschafft, sich ihren Humor und ihre Lebenslust zu bewahren. Weil sie sich gerne schick macht, trägt sie im Familienkreis den royalen Spitznamen.

In dem Jahr, als Luise Heinrichs geboren wurde, ging der Erste Weltkrieg gerade erst zu Ende. In Deutschland regierten Mangel und Hunger. Trotz aller Entbehrungen während der Nachkriegsjahre ist die kleine Luise fröhlich im Kreise ihrer Eltern und sieben Geschwister aufgewachsen. Und bis heute hat sie es geschafft, sich ihre Lebenslust und ihren Humor stets zu bewahren. Gestern feierte die Opladenerin ihren 101. Geburtstag im DRK-Altenheim Düsseldorfer Straße.

Bürgermeister Bernhard Marewski war einer der ersten Gratulanten. Später verbrachte die Jubilarin den Tag mit Tochter Gisela Heinrichs, die in Rom lebt, aber alle zwei Monate zu Besuch kommt. Außerdem waren Nichten und Neffen zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Dazu sorgte Akkordeonspieler Jürgen Kröhnert für musikalische Unterhaltung.

Spaß, Humor und eine gewisse Heiterkeit haben im Leben von Luise Heinrichs immer eine große Rolle gespielt. "Ich fühle mich gut und bin stolz, dass ich das geschafft habe", sagte die Hochbetagte, der das Alter nicht anzusehen ist. Schick gekleidet und frisiert war sie nicht nur wegen ihres Geburtstages. Ganz grundsätzlich legt sie viel Wert auf gepflegtes Äußeres. Im Familienkreis werde sie deshalb auch als "Queen Mum" bezeichnet, schilderte die 67-jährige Tochter. Luise Heinrichs ist informiert und weiß, was in der Welt los ist. Gerne trinkt sie "hin und wieder ein Körnchen." Nur die Ohren funktionieren nicht mehr so gut. Und seit sie vor drei Jahren einen Gehirnschlag erlitt, sitzt sie im Rollstuhl. Bis zu ihrem 98. Lebensjahr konnte sie sich in ihrer eigenen Wohnung versorgen.

Geboren und aufgewachsen ist sie in der Mittelstraße in Opladen. In der Nachbarschaft wohnte auch der 14 Jahre ältere Karl. Eigentlich wollte sie ihn nie heiraten. "Du bist mir zu alt", begründete sie ihre Ablehnung. Aber nachdem ihr erster Ehemann nicht lebend aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrte, gab die gelernte Verkäuferin seinem Werben nach. Er wurde Vater ihrer gemeinsamen Tochter, im Jahr 1954 läuteten die Hochzeitsglocken.

Gemeinsame Reisen führten die Eheleute auch ins benachbarte Ausland. Mit 50 Jahren erkrankte die lebenslustige Frau an einem Tumor. Die Ärzte prognostizierten ihr eine nur geringe Lebenserwartung. Das liegt jetzt genau 51 Jahre zurück und Luise Heinrichs lebt immer noch - selbst wenn sie als Spätfolge der Strahlenbehandlung mehrere Operationen über sich ergehen lassen musste.

Als ihr Mann 1970 starb, suchte Luise Heinrichs eine neue Aufgabe und fand sie als ehrenamtliche Helferin in der ehemaligen Awo-Altentagesstätte Kölner Straße 100. Bis heute haben die einstigen Helferinnen noch immer Kontakt. Ihre älteste Freundin wohnt gleich nebenan, ist aber auch schon 92 Jahre.

(gkf)