Leverkusen: Die Qual der Schulwahl

Leverkusen: Die Qual der Schulwahl

Gymnasium oder Gesamtschule, G8 oder G9, offener oder gebundener Ganztag? Viele Fragen stellen sich bei der Wahl einer weiterführenden Schule. Dabei ziehen einige Schulen in Leverkusen den Kürzeren.

Carola Becker war überrascht, als sie 2015 gleich zehn Bewerber abweisen musste. Die Leiterin der Sekundarschule Leverkusen hatte zwar nicht mit schlechtenAnmeldezahlen gerechnet, aber auch nicht mit einem Überschuss. Schließlich ist die Schulform noch wenig erprobt, in NRW gibt es sie erst seit sieben Jahren. Die Sekundarschule entstand als Kompromiss aus dem politischen Streit um die Zukunft der Hauptschule und eine wachsende Beliebtheit der Gesamtschulen. "Wir sind nichts anderes als eine kleine Gesamtschule mit individueller Förderung", sagt Becker. An der Sekundarschule liefe das Niveau aus Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien zusammen.

81 Plätze in drei Klassen sind jährlich frei. Davon sind zehn Plätze für Kinder mit Inklusionsbedarf vorgesehen. Die vielen Anfragen erklärt Becker sich durch die Neuheit der Schule. "Außerdem haben wir viele junge, engagierte Lehrer", sagt die Leiterin. Allein im vergangenen Jahr habe sie acht Lehrkräfte eingestellt, in diesem sollen vier bis sechs hinzukommen. Welchen Weg die meisten Sekundarschüler nach dem mittleren Schulabschluss einschlagen, ließe sich noch nicht sagen, sagt Becker. Jeder Sekundarschüler habe aber einen Platz am Werner-Heisenberg-Gymnasium oder am Berufskolleg Opladen sicher.

In der mehr oder weniger glücklichen Lage, Bewerber abweisen zu müssen, sind nicht alle Schulen. Natali Schoroth-Prang, Leiterin der Katholischen Hauptschule (KHS) schätzt, dass sich etwa 45 Kinder anmelden werden. Dieser Wert habe sich eingependelt - nur im vergangenen Jahr habe es ein Loch gegeben. "Ich denke, das lag am Umzug. Vielen Eltern war vielleicht nicht bewusst, dass es uns noch gibt", sagt Schoroth-Prang. Das Gebäude Im Hederichsfeld wird momentan saniert. Derweil läuft der Schulbetrieb Am Stadtpark weiter. "Das ist nicht nur eine Notlösung, sondern wir sind hier gut untergekommen", sagt die Schulleiterin. Im Sommer 2020 soll es aber wieder zurückgehen ans Hederichsfeld. Ganz auf den Umzug will Schoroth-Prang die wenigen Anmeldungen aber nicht schieben: "Dass Hauptschulen Probleme haben, ist kein Geheimnis."

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Denn am Ende entscheiden die Eltern, auf welche Schule sie ihr Kind schicken. Häufig ist im vergangenen Jahr die Wahl auf die Theodor-Heuss-Realschule gefallen. Schulleiterin Andrea Wirths kann jährlich 150 Schüler in fünf Klassen unterbringen, hat aber immer zu viele Bewerbungen. Nun könnten es noch mehr werden: "Seitdem die Realschulen in Leichlingen und Burscheid wegfallen, kommen auch Kinder aus anderen Städten zu uns", sagt die Schulleiterin.

Eltern, die ihr Kind zum Gymnasium schicken, entscheiden oftmals nach der Ausrichtung. Das Lise-Meitner-Gymnasium ist eine Mint-Schule, das Werner-Heisenberg-Gymnasium bietet internationales Abitur und das Landrat-Lucas-Gymnasium ist Mitglied des Sportinternates Leverkusen. Die Marienschule ist als erzbischöfliches Gymnasium katholisch geprägt, nimmt von 175 Schülern pro Jahrgang aber auch 40 Prozent anderer Konfessionen oder Religionen auf.

Hinzu kommt die Entscheidung zwischen G8 und G9 - für viele Eltern momentan der wohl wichtigste Faktor. Bernd Ruddat vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium hatte sich dazu mit dem Kollegium beraten. Nur zwei von 100 Lehrern stimmten für das "Turbo-Abi" nach acht Jahren. "Ein ähnliches Ergebnis hatten wir in der Elternpflegschaft", sagt der Schulleiter. "Alle wünschen sich für die Kinder mehr Zeit." Auch die anderen Leverkusener Gymnasien wollen zurück zu G9. Die Umstellung soll mit dem Schuljahr 2019/2020 beginnen, aber auch die diesjährigen i-Dötzchen betreffen.

(veke)