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„Die Kinder von Auschwitz“ – Schau in Leverkusen gibt Opfern Gesicht

VHS in Leverkusen : „Die Kinder von Auschwitz“ – Ausstellung gibt Opfern ein Gesicht

Zum Holocaust-Gedenktag zeigt die VHS die „Kinder von Auschwitz“. Kurator Alwin Meyer trug jüdische Schicksale und Leidenswege in Wort und Bild zusammen.

Manche Fotos zeigen eine unbeschwerte Kindheit. Andere wiederum die Qualen im Lager von Auschwitz. Jenen schwarz-weiß-Aufnahmen haftet nacktes Grauen an. In der Ausstellung „Vergesst uns nicht – die Kinder von Auschwitz“ erhalten nüchterne Zahlen konkrete Namen und Gesichter. Anlässlich des weltweiten Holocaust-Gedenktages am 27. Januar beleuchtet die Volkshochschule Leverkusen zusammen mit dem Autor und Kurator Alwin Meyer zahlreiche Schicksale. Zu sehen ist die Präsentation bis 25. Februar im Forum. Begleitend dazu zeigt das Kommunale Kino zahlreiche Filme, die nach Absprache von Schulen gebucht werden können.

Meyer beschreibt: „Ich war 21 Jahre, als ich zum ersten Mal in Auschwitz war und von im Lager inhaftierten Babys und Kindern hörte.“ Das war 1972. Seither war der 71-jährige gebürtige Cloppenburger auf weltweiter Spurensuche nach den Opfern. Er fand 80 in rund 30 Ländern. Mit 50 Überlebenden führte er Interviews, um deren Schicksale näher zu bringen. Nicht als nüchterne, historische Darstellung. Sondern als dringende Mahnung gegen das Vergessen. Dabei stellt Meyer nicht eine bestimmte Person oder eine Geschichte heraus. Er sagt: „Jede Geschichte ist es wert, dass sie erzählt wird.“

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Mehr als 200.000 Kinder wurden in Auschwitz mit Giftspritzen getötet, erschossen, erschlagen, ertränkt oder vergast. Nur 750 Kinder und Jugendliche wurden 1945 aus dem größten deutschen Vernichtungslager befreit. Unter ihnen war Dagmar aus Tschechien, die einzige Überlebende ihrer Familie. Als 14-Jährige war sie zusammen mit den Eltern und der jüngeren Schwester aus dem Getto „Theresienstadt“ nach Auschwitz verschleppt worden. Fast 4000 jüdische Frauen, Männer und Kinder dieses Transportes wurden sofort vergast. Andere, die noch länger lebten, durften Postkarten schreiben. „Aber nur nette Worte“, erzählte Dagmar im Interview über jene Karte, die sie an das ehemalige Dienstmädchen ihrer Eltern schickte. Die Nazis versuchten, andere Juden auf diese Weise zu beruhigen und die Legende von der „Umsiedlung der Juden“ aufrecht zu halten. Auch der Junge mit dem Kosenamen „Kola“ hatte das Konzentrationslager überlebt, weil er drei Tage vor der Befreiung gerettet wurde. Selbst Jahre später sammelte er – wie fast alle Überlebenden – noch immer Brotreste aus dem Müll und hortete sie als Notvorrat in seinem Zimmer. Meyer verfasste mehrere Bücher. Das Neueste wird noch in dieser Woche unter dem Titel „Vergiss deinen Namen nicht“ in Amerika veröffentlicht.