Leverkusen: Deutsch lernen durch Kunst

Leverkusen : Deutsch lernen durch Kunst

Ein Projekt am Werner-Heisenberg-Gymnasium fördert Schüler, die wenig Deutsch können.

Shady will nicht heiraten, "Bäh", sagt sie. Was für eine Vorstellung! Und dann lacht sie ganz herzlich, wie jemand nur lachen kann, der weiß, dass das vielleicht nicht ganz allgemeingültig war. Aber Shady hatte halt darüber nachgedacht, wie ihr Leben so sein soll, in 20 Jahren. Sie hat ein großes Blatt Papier bemalt und beklebt und beschrieben. Darauf befindet sich nun der Entwurf ihrer Zukunft. "Wenn ich groß bin, möchte ich nach Paris fahren und mit Adele singen", hat sie geschrieben. Shady lacht schon wieder. "Sollte witzig sein", sagt das Mädchen.

Shady geht wie 20 andere Mädchen und Jungen in die Internationalen Vorbereitungsklasse des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Lützenkirchen. Dort gehen Schüler zwischen elf und 13 Jahren hin, die neu in Deutschland sind, und sich daher mit der hier gesprochenen Sprache noch etwas schwertun. Einmal in der Woche werden sie beim Deutsch lernen in einer Doppelstunde besonders unterstützt. Immer am Donnerstag übernehmen zwei Studenten aus Köln die Geschicke und entführen die Schüler in eine Welt der Träume.

Die beiden Lehramtsstudenten fordern die Kinder dann etwa auf, ihr Leben in 20 Jahren auf ein Blatt zu bringen, oder setzen Traumfiguren in Puzzleteilen zusammen. Raphael Di Canio und Madeleine Scherer regen die Fantasie der Schüler aus Afghanistan, Syrien, Kroatien, dem Irak oder den Niederlanden an. Und sie sorgen dafür, dass es leichter wird, mit der Verständigung auf Deutsch. "Durch den geringen Altersunterschied haben wir eine gute Beziehung zu den Schülern", sagt Di Canio. Im kommenden Halbjahr will er mit seiner Kollegin das nächste Projekt starten, es soll ein Theaterstück werden.

Doch für eine sorgenfreie Zukunft des Projekts mit den Studenten fehlt etwas Geld. Bisher finanziert das Evangelische Familien- und Erwachsenenbildungswerk des Kirchenkreises Leverkusen die Honorare der Studenten, aber auch Materialkosten für Wolle oder Stoffbeutel. Circa 8000 Euro im Jahr kostet der Einsatz, verrät Andreas Pollak, der das Bildungswerk leitet. "Die Studenten sind wirklich eine Bereicherung für die Schule", sagt er. Di Canio und Scherer unterstützen die Lehrer nicht nur in der Arbeit dieses Projektes, sondern auch im normalen Regelunterricht. Wenn zwei Pädagogen im Klassenzimmer sind, wird das Lehren einfacher. "Damit es im kommenden Jahr so weitergehen kann, brauchen wir dringend Spenden", sagt Pollak. Sonst würde es kompliziert, die Arbeit fortzusetzen.

Schulleiterin Claudia Bensen weist darauf hin, dass die Schüler in der Vorbereitungsklasse etappenweise auch schon den Regelunterricht besuchen - wenn die Fortschritte in Deutsch groß genug sind. "Es haben nicht alle Schüler eine Flüchtlingsgeschichte", sagt Bensen. Sie dankt allen Ehrenamtlichen, die sich in der Sache engagieren.

(her)