Leverkusen: Der Spätzünder unter deutschen Dichtern

Leverkusen: Der Spätzünder unter deutschen Dichtern

Leben und Werk Theodor Fontanes standen im Mittelpunkt beim ersten Museum Litterale 2018 im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich.

Ein alter, groß gewachsener Herr mit grauem Schnurrbart hat ein großes Tuch über den Mantel gelegt und hält sich dicht an den Häuserwänden Berlins, um nicht von Bekannten angehalten zu werden. "Es lohnt sich nicht, ein paar Banalitäten auszutauschen und sich dabei noch zu erkälten."

Davor hatte Theodor Fontane offenbar große Angst, meint der Schauspieler Volker Ranisch. Er hatte sich intensiv mit Literatur und der Biografie des Dichters beschäftigt, um Fontane den Besuchern beim ersten Museum Litterale in 2018 nahe zu bringen.

Seit einigen Jahren eröffnet Ranisch die von Buchhändler Manfred Gottschalk organisierte Reihe in Kooperation mit dem Museum Morsbroich. Das Stammpublikum weiß also, was es erwartet, wenn er Leben und Werk eines großen Dichters in den Blick nimmt. Entsprechend übervoll war der Spiegelsaal an diesem Abend, an dem man im ersten Teil einen nicht gerade erfolgreichen, dafür süffisant ironischen Schreiber kennenlernte.

Der trat zunächst in die Fußstapfen seines wenig erfolgreichen Vaters und wurde Apotheker. Von dem soll er noch eine weitere Neigung geerbt haben, nämlich den Damen mit Worten zu imponieren. Als 22-Jähriger war Theodor Fontane jedenfalls fest entschlossen, unter die Literaten zu gehen und mit 30 gab er schließlich die Apotheke auf, um als freier Schriftsteller zu leben.

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Tatsächlich schlug er sich als Journalist durch, mehr schlecht als recht, als nach der Hochzeit mit Emilie bald auch noch ein Kind zu versorgen war. Mit 30 fühlte er sich völlig ausgetrocknet. "Kann mir einer sagen, warum ich zu gar nichts komme?" zitierte Ranisch den Spätzünder in der Reihe der deutschen Dichter und Denker, der seien ersten Roman erst im Alter von 58 Jahren fertigstellte. Davor entstand eine Fülle von Artikeln, Briefen, Studien und Notizen, Gedichte und Balladen.

Dem jungen Fontane bescheinigten Kritiker "Weitschweifigkeit" und es blieb zunächst bei "Artikelschreiberei für Geld." Als Kriegsberichterstatter lernte er als Journalist mit kleinem Budget diverse Länder kennen, schrieb über Reisebekanntschaften und skurrile Beobachtungen. Immerhin entstanden aus solchen Wander-Erfahrungen später auch seine "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Volker Ranisch, der sein Programm möglichst nicht aus Lexikon-Wissen speist, sondern die Biografie aus vielen kleinen Original-Texten zusammensetzt, las kurze Aufzeichnung, zum Vergnügen des Publikums.

Überhaupt kostete er die vielen ironischen oder zynischen Bemerkungen aus Fontanes kleinteiligem Werk aus. Eine Seite des Autors von Effi Briest oder bekannten Balladen wie "Herr Ribbeck von Ribbeck im Havelland" und "John Maynard", die den meisten Besuchern weniger vertraut war.

(mkl)