Leverkusen: Der Märchenopernkomponist

Leverkusen: Der Märchenopernkomponist

Der Leverkusener Hans-André Stamm feierte im Sommer mit der Oper „Sternenkind“ in den USA Erfolge, rührte Opernchefs mit der Vertonung der Oscar-Wilde-Erzählung zu Tränen. In Deutschland tut sich der Erfolg noch schwer.

Lverkusen Mit acht bekam er seine erste Klavierstunde. Als er elf Jahre alt war, verzauberte er in seinem ersten Solokonzert im Altenberger Dom die Zuhörer. Im Alter von 15 begann er als Jungstudent am Musikkonservatorium in Lüttich. Als er 16 war spielte er als erster Teenager überhaupt in der weltberühmten Pariser Kirche „Notre Dame“. Mit 49 schrieb Hans-Andé Stamm, Sohn eines musikalischen Wiesdorfer Malermeisters, seine erste Oper.

„Sternenkind“ heißt sie, basiert auf einer Erzählung von Oscar Wilde und hat im August in den USA gleichermaßen für Furore und für Tränen der Rührung auf den Wangen von Opernchefs gesorgt, die sich die Aufführung an einem Nebenschauplatz der „Opera Pacific“ in Santa Ana, Kalifornien, ansahen. Nun hat Covent Garden, London, Interesse bekundet. Was in den USA Erfolg hatte, müsse wohl gut sein. In der Heimat wartet Stamms „Sternenkind“ noch auf den großen Durchbruch. Premiere feierte der Zweiakter klassischer Komposition bescheiden in einem CVJM-Heim in Remscheid-Lützenkirchen. „Die DVD, die bei der Aufführung entstand, habe ich an 200 Opern weltweit verschickt – die Amerikaner hatten sofort Interesse“, berichtet der Orgelvirtuose. Die Deutschen sind zögerlich. Der Prophet im eigenen Land

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Nicht zu schade für den Barpianist

Komponist sein in heutiger Zeit, noch dazu einer, der sein Herzblut nicht dem derzeit gefragten avantgardistischen, sondern dem klassischen Stil angedeihen lässt, heißt, flexibel sein. „Man darf sich nicht zu schade sein, irgendwo in einem Hotel Dinner-Musik zu spielen“, sagt Stamm. Oder für einen Gitarre zupfenden Multimillionär Popsongs zu arrangieren. Oder einen Notenverlag zu eröffnen. „Aber da habe ich erkannt, dass ich Komponist bin, kein Kaufmann. Wertvolle künstlerische Jahre sind dabei draufgegangen“, gesteht Stamm. Seine Augen leuchten. Wenn er über Musik spricht, besser noch über Oper, ist das nicht nur Schwärmerei. Es ist tiefe Leidenschaft für das Gesamtkunstwerk. An seiner zweiten, die er als Folkmusical bezeichne, komponiert er derzeit in seinem klaren, fast puristischen Arbeitszimmer in Edelrath. „Peronnik“ ist die bretonische Variante der Parzival-Sage. Es wird wieder eine Oper für Kinder. Und wieder wird Stamm nach der Vollendung „Peronniks“ die Opern dieser Welt anschreiben, um auf sich aufmerksam zu machen. Ganz wie bei „Sternenkind“. Aber vielleicht haben bis dahin auch die deutschen Opernhäuser von Hans-André Stamm, dem Orgelvirtuosen gehört, der mit 16 Notre-Dame verzauberte und mit 49 Jahren amerikanischen Opernchefs mit den Klängen seines Sternenkinds Tränen der Rührung entlockte.

(RP)
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