Analyse: Der City C fehlen rund 50 Millionen Euro

Analyse: Der City C fehlen rund 50 Millionen Euro

Die Hochglanz-Präsentation zur Neugestaltung des Areals ist verblasst. Investoren müssten sich auf eine Planung einlassen, die viele Fragen überhaupt noch nicht geklärt hat.

Als Rainer Häusler und Gert Geiger im Herbst 2016 die Zusammenfassung ihrer dreieinhalb Jahre Arbeit am Projekt City C vorlegten und dabei Hochglanz-Entwürfe des Düsseldorfer Architekturbüros HPP für eine Neugestaltung des maroden Areals präsentierten, nannte Häusler am Ende eine Zeitschiene.

Noch Zukunftsmusik sind erste Pläne für die Neugestaltung, die sich in dieser Animation spiegeln. Foto: Büro City C

Ende 2017 könne der Abriss beginnen. In der ersten Hälfte 2020 solle das Projekt fertig sein, sagte der ehemalige städtische Finanzdezernent damals.

Im Frühjahr 2018 ist die City C von einem Abriss-Start ungefähr so weit entfernt, wie Bayer Leverkusen von der deutschen Fußballmeisterschaft. Und in der Politik wird immer öfter die Frage gestellt, woran das denn wohl liegt?

Bürgerlisten-Chef Erhard Schoofs hat in einem Schreiben an Oberbürgermeister Uwe Rrichrath in dieser Woche gar geargwöhnt, Häusler und Geiger hätten zwar "hervorragende Vorarbeit geleistet", doch das Projekt werde nun von Richrath und der Stadt nur noch zögerlich fortgeführt.

Wer sich in diesen Tagen mit gut unterrichteten Kreisen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft unterhält, kommt zu einem anderen Schluss: Übereinstimmend ist demnach eine gewisse Verärgerung über die Euphorie, die von Häusler 2016 insbesondere durch die Hochglanzabbildungen des Architekturbüros vermittelt worden sei. So sei angedeutet worden, das Projekt befinde sich an einem fortgeschrittenen Punkt, obwohl es nach dem damals tatsächlichen Planungsstand weit davon entfernt gewesen sei.

Beispiel Investoren Man sei mit mehreren im Gespräch, hieß es damals, suche jemanden, "der dauerhaft die Immobilie hält." Von Beteiligten ist zu hören, dass entgegen der Erwartungen, die damals geschürt worden seien, bis heute noch nicht einmal richtig geprüft sei, welche Auswirkungen die in der Präsentation dargestellten hohen Neubauten wie etwa ein Hotel auf die Statik der Tiefgarage haben. Ein Investor von außen müsste sich da wohl auf einige Unsicherheiten einlassen.

Beispiel Kosten Die städtische Wohnungsgesellschaft WGL und der gemeinnützige Bauverein Opladen wollen sich den Part des Wohnungsbaus teilen (94 Wohneinheiten sind vorgesehen), die WGL will zudem den neuen Supermarkt bauen. Das würde ein geschätztes Volumen von etwa 60 Millionen Euro umfassen, ist zu hören. Doch um das Projekt in Gänze, also auch mit den Geschäftsflächen umzusetzen, fehlen mindestens weitere 50 Millionen, heißt es.

Beispiel Parkhausgesellschaft Der Beteiligungsbericht, der die städtischen Anteile an Unternehmen ausweist, liegt für das Jahr 2016 noch immer nicht vor. Kritiker glauben, das habe mit der Leverkusener Parkhausgesellschaft zu tun. Vorstellungen, wonach der Gemeinnützige Bauverein Opladen (GBO) das in Schieflage geratene Unternehmen kaufen soll, sind schon lange kein Thema mehr. Die LPG, die in der City C Gewerbeflächen aufgekauft hat, hatte mit diesen Immobiliengeschäften mehr Geld verloren, als sie mit ihrem Kerngeschäft Parken einnehmen konnte. Häusler hatte betont, der Wirtschaftsprüfer habe für 2016 keine Probleme gesehen. Tatsächlich machte das Unternehmen in dem Jahr aber einen Verlust von 2,58 Millionen Euro.

Beispiel Eigentümer Der Haupterfolg des Duos Häusler/Geiger Besteht nach Auffassung vieler Akteure darin, ein Großteil der über 100 Eigentümer in der City C dazu gebracht zu haben, das Projekt mitzutragen oder ihr Eigentum zu verkaufen. Die Teilungserklärung für den Komplex war zum Zeitpunkt ihres Abgangs dennoch nicht von allen unterschrieben - und das waren harte Nüsse.

Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) führt diese Aufgabe nach Auskunft fast aller Beteiligten mit hohem persönlichen Einsatz weiter. Um den letzten Wohnungseigentümer zu überzeugen, band er sogar den Botschafter dessen Herkunftslandes in Berlin ein. Dennoch stehen immer noch Unterschriften von Gewerbetreibenden aus, von denen es heißt, sie spekulierten auf weitere finanzielle Vorteile.

"Es geht nicht darum, die Arbeit von Herrn Häusler und Herrn Geiger im Nachhinein schlecht zu machen", betont ein Projektbeteiligter. Wer wie die Bürgerliste aber behaupte, es gebe "höchst positive Entwicklungen", die nur nicht vorankämen, weil der Stadtchef sie nicht "mit dem erforderlichen Einsatz" aufgreife, der verdrehe schlicht die Realität: "Wir müssen jetzt zügig die Planungsgrundlagen schaffen, mit denen man einem Investor gegenübertreten kann", sagt der Beteiligte: "Hätte die Präsentation nicht übertriebene Erwartungen geweckt, gäbe es keinen Anlass, den Erfolg des Projekt infrage zu stellen.

(RP)