Leverkusen: Der "beste Boogie-Woogie-Pianist Europas" fasziniert im Scala-Club

Leverkusen: Der "beste Boogie-Woogie-Pianist Europas" fasziniert im Scala-Club

Ein Star am Piano und nur 150 Zuschauer? Der englische Musiker, Entertainer, Bandleader und Moderator Jools Holland war im Opladener Scala. Wer sich den Tourplan des Pianisten ansieht, kann sich wirklich nur wundern, dass nicht viel mehr Leverkusener gekommen waren. Sie haben schlicht die einmalige Chance verpasst, einen Mann - hautnah - zu erleben, der in Großbritannien die Säle ganz mühelos füllt. Einige seiner Konzerte in der zweiten Jahreshälfte sind in seinem Heimatland bereits ausverkauft. Die BBC zeichnet große Holland-Shows auf, zuletzt beispielsweise mit dem international gefeierten walisischen Sänger Tom "Tiger"Jones. Seit Jahren flimmert der Brite auch mit der kultigen Musiksendung "Later with Jools Holland" am späteren Abend über britische Mattscheiben. Hierzulande zeigte der frühere TV-Kanal ZDFKultur einige Sendungen.

Ins Scala war auch ein Ehepaar gekommen, das von Jools - eigentlich Julian Miles - Holland zuvor noch nichts gehört hatte. Der Schwiegersohn aus Oxford habe ihnen die Karten geschenkt - ein gelungenes Präsent, wie sie nach dem Konzert begeistert erzählten. So blieb Jools Hollands Abstecher nach Leverkusen eher etwas für Kenner der Musikszene. Wie beispielsweise Henrik Herzmann, ein in der Stadt bestens bekannter Bassist, der nach Hollands Show lobend bekannte: "Für mich ist er einfach der beste Boogie-Woogie-Pianist in Europa."

Freilich hatte Jools Holland nicht seine Big-Band mitgebracht, das hätte die Möglichkeiten des Scala-Clubs gesprengt. Derzeit ist der Kult-Star aus Großbritannien auf Tour mit kleiner Besetzung, um unter anderem sein aktuelles Album "Piano" vorzustellen. Darauf sind ausschließlich instrumentale Stücke zu hören.

Auf der Scala-Bühne waren nur noch Schlagzeuger George Latham und drei Sängerinnen. Sonst niemand. Das reichte, um das Publikum ein Potpourri zu präsentieren, das vor Lebensfreude sprühte. Boogie-Woogie war das Grundmuster, dazu gesellten sich Blues-Elemente und Reggae-Grooves. Zu einigen Gospel-Anspielungen trug vor allem Sängerin Ruby Turner bei.

Wer mag, sollte sich im Internet die Videos ansehen, auf denen Holland etwa sein Album mit José Feliciano präsentiert, - und sich ärgern, einen solchen musikalischen Höhepunkt verpasst zu haben.

(sg-)