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"DasPhantom der Oper" begeistert im Forum Leverkusen

„Phantom der Oper“ im Forum : Ein Höhepunkt tief unter der Erde

„Das Phantom der Oper“ in der Fassung von Deborah Sasson und Jochen Sautter ließt begeisterte Zuschauer im Forum von den Sitzen aufstehen.

Christine liegt in schluchzender Verzweiflung halb auf der Chaiselongue, halb auf dem Boden irgendwo tief, tief unter der Pariser Oper. Hinter ihr ist ihr Liebster, der Graf Raoul, gefesselt, vor ihr steht das Phantom der Oper, das Monster mit halb hinter einer Maske verborgenem, entstellten Gesicht und einer Stimme zum Dahinschmelzen. Das tut auch Christine, fühlt sich zu dem einen wie zu dem anderen Mann hingezogen. Es ist die entscheidende Szene des Stücks, untermalt von der Musik aus dem Orchestergraben. Eine Szene, ein Gesang zum Atemanhalten.

Das Musical „Das Phantom der Oper“ kennen die meisten aus der Feder von Komponist Andrew Lloyd Webber. Am Dienstag im Forum gab es eine andere Version. Die von Sopranistin und Echo-Klassik-Preisträgern Deborah Sasson. Anlässlich des 100. Geburtstags des Originals, dem Roman von Gaston Leroux, inszenierte sie mit Jochen Sautter das Musical 2010 neu. „Ich habe mich beim Schreiben nah an das Original gehalten“, sagt Sasson. Die geborene Amerikanerin studierte Musik in Boston und in New England. An der Metropolitan Opera in New York erhielt sie ihr erstes Engagement.

Sie habe den Roman im Alter von zwölf Jahren das erste Mal gelesen, und seitdem habe sie die Geschichte nicht mehr losgelassen. Die Handlung dreht sich um das erst unbekannte Chormädchen Christine (gespielt von Sasson), das überraschend für die Starsopranistin La Carlotta bei einem Galaabend in der Pariser Oper einspringen muss. Bei diesem Auftritt verzückt sie mit ihrer Stimme das Publikum. Im Laufe der Geschichte ist Christine hin- und hergerissen zwischen dem Phantom, das ihr Gesangsunterricht gegeben hat,  und ihrer Jugendliebe, dem attraktiven Grafen.

Die Zuschauer an diesem Abend tauchen bereits nach den ersten Klängen des 18-köpfigen Orchesters in die Geschichte ein. Dazu trägt auch das Bühnenbild bei, eine Mischung aus Bühnenelementen und 3D-Ansichten vor, im und unterm Pariser Opernhaus. Das Auge des Betrachters reist mit, wenn es in rasanter Bildfahrt aufs Dach der Oper geht oder eben unzählige Stockwerke tiefer in die Katakomben. Ein Leckerbissen für Technikfans. Zumal: „Die Fotografien sind alles reale Aufnahmen, sogar die Katakomben sind die aus der echten Oper“, betont Sasson.

Das stimmgewaltige Phantom der Oper wird von Uwe Kröger verkörpert. Musicalfans ist der nicht unbekannt, spielte in namhaften Produktionen wie „Hair“ und „Elisabeth“ Hauptrollen. Und legt Leidenschaft, Kraft und feine Nuancierungen in seine Stimme, dass es einem einen Schauer über den Rücken jagt, wenn er sie zwischen Forte und Flüstern fast spielerisch wechseln lässt, die Gefühlswelt des Phantoms so miterlebbar auf der Zunge trägt. „Wir sind alle mit großer Leidenschaft dabei. Wenn die Zuschauer anfangen zu strahlen, habe ich mein Ziel erreicht“, sagt der deutsche Musicalstar in der Pause. Und auch Sasson weiß mit ihrem stolzen Sopran zu beeindrucken, auch, wenn der mittlerweile gesetzt, voll und weiblich ist – gesetzter, voller und weiblicher als der Zuschauer sich das für ein junges Chormädchen wie Christine vorstellt.

Die Tournee endet Mitte März. „Wir freuen uns auch auf die Pause. Wir lieben unseren Beruf, aber eine Tournee ist auch anstrengend“, sagt Sasson. Wie im Fußball scheint auch hier zu gelten: Nach der Tournee ist vor der Tournee: Es gebe viele kreative Einfälle für die Zukunft. Einer davon: „Wir möchten das Bühnenbild verändern“, verrät Sasson.