Leverkusen: "Das war die intensivste Reise meines Lebens"

Leverkusen : "Das war die intensivste Reise meines Lebens"

Der Leverkusener Werner Went reiste für Unicef eine Woche lang nach Kambodscha, um Projekte vor Ort zu besuchen.

Wenn Werner Went von seiner siebentägigen Kambodscha-Reise spricht, ist er kaum noch zu bremsen. Auf Notizzetteln hat der Leverkusener seine vielen Eindrücke, Emotionen und Erlebnisse festgehalten. "Das war die intensivste Reise meines Lebens – ich möchte nichts vergessen oder auslassen", erläutert er. Ende Januar reiste Went gemeinsam mit neun weiteren ehrenamtlichen Unicef-Mitarbeitern in das südostasiatische Land. Ziel dieser Reise: Die Ehrenamtlichen sollten sich im Rahmen der aktuellen Unicef-Kampagne "Wasser wirkt" ein Bild von der Arbeit vor Ort machen. Besucht wurden unter anderem Hygieneprojekte in den Slums der Hauptstadt Phnom Penh.

Für die Reise konnten sich die rund 8000 Unicef-Mitarbeiter intern bewerben. "Das war ein spannendes Erlebnis. Wir mussten Bewerbungsgespräche durchlaufen und unser ehrenamtliches Engagement darlegen", erzählt Went, der seit 2008 für die Ortsgruppe Leverkusen tätig ist. Zudem verpflichten sich die Teilnehmer, im Anschluss zwei Jahre lang im Rahmen von Vorträgen das Erlebte weiterzutragen.

Inzwischen ist Werner Went wieder in "seiner Realität" angekommen. Die Erfahrungen berühren ihn jedoch nach wie vor. "Ich träume noch von der Reise, viele Erlebnisse waren sehr ergreifend." Doch von Anfang an: "Als wir nach insgesamt 21 Stunden Reisezeit und etwa 30 Grad Temperaturunterschied endlich in Phnom Penh ankamen, habe ich mich gefragt, was ich hier eigentlich soll. Das Stadtbild ist sehr modern und fortschrittlich", berichtet Went. Doch sobald man sich den Stadträndern nähert, ändert sich das Bild. "Ich war fassungslos über die menschenunwürdige Armut in den Slums." Die Folgen der Schreckensherrschaft der Roten Khmer (1975-1978) seien in solchen Momenten allgegenwärtig. "Das Land musste quasi bei Null anfangen. Besonders die Gespräche mit Zeitzeugen aus dieser Zeit haben mich sehr bewegt", erzählt er.

Bei den Besuchen der verschiedenen Unicef-Projekte stand vor allen Dingen die strategische Arbeit im Vordergrund. "Unicef arbeitet auf allen Ebenen eng mit der Regierung zusammen", sagt Went. Die Überzeugung: Nur so könne nachhaltige Hilfe im Land etabliert werden. Positiv sei ihm das Projekt WASH (Wasser, sanitäre Versorgung, Hygiene) in Erinnerung geblieben. WASH wird maßgeblich von der deutschen Kampagne "Wasser wirkt" unterstützt. Hier lernen Schulkinder, wie sie sich richtig die Hände waschen, um sich vor Krankheiten zu schützen. Zum Hintergrund: In Kambodscha haben zwei Drittel der Menschen auf dem Land keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser.

Für Werner Went war die Reise eine "Bereicherung", doch es gibt auch kritische Stimmen: Ein RP-Leser, der seit zehn Jahren in Kambodscha lebt, beobachtet den "Tourismus der Hilfsorganisationen" mit Skepsis. Seine Meinung: "Unicef hat in Kambodscha eine riesige Präsenz und ist in der Lage aktuelle Berichte an die Landesniederlassungen zu senden, dafür müssen Ehrenamtler nicht nach Kambodscha reisen." Das sei reine Spendengeld-Verschwendung. "Es stimmt, Unicef hat einen Teil der Kosten übernommen. Persönlich hat mich die Reise etwa 1000 Euro gekostet", sagt Werner Went. Bei solchen Reisen gehe es aber doch darum, den Ehrenamtlern vor Ort zu zeigen, wohin die gesammelten Gelder fließen und weiter für die Arbeit zu motivieren.

(RP)
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