1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leverkusen: Das Ende naht fürs Kölsch aus Leverkusen

Leverkusen : Das Ende naht fürs Kölsch aus Leverkusen

Die Ganser-Brauerei verlängert den Vertrag fürs Lohnbrauverfahren in Köln nicht. Tochterfirma "G + P" bleibt bestehen.

Im Sommer endet die Geschichte des Ganser Kölsch aus Leverkusen. Gut, wer es ganz genau nimmt, wird sagen: Das wird doch seit Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre nicht mehr hier, sondern in Köln-Mülheim im Lohnbrauverfahren bei der Gilden-Brauerei (gehört zur Radeberger Gruppe) gebraut und abgefüllt, dann nach Wiesdorf zu Ganser gebracht und von hier vertrieben. Richtig. Nun aber ist eine neue Stufe erreicht: Ganser Kölsch wird es demnächst gar nicht mehr geben. "Unser Vertrag mit der Radeberger Gruppe läuft aus", erzählt Diana Ganser. Das sei ein guter Zeitpunkt, einen Schlussstrich unter die Privatbrauerei Ganser, die die Markenrechte hat, zu ziehen.

Es ist gleichermaßen ein Schlussstrich unter einem Stück Stadtgeschichte und einem Kapitel der Bierbrau-Geschichte der Familie Ganser. Die beginnt Ende der 1860er Jahre in Erftstadt-Lechenich mit einer Gastwirtschaft von Peter Ganser. Ab 1873 braut er auch Bier, 1880 ist der Vater von zwölf Kindern Brauerei-Besitzer. Auftakt der Ganser Braugeschichte. Die wurde von Gansers Kindern industrialisiert, das Bier um die Jahrhundertwende gar ausgezeichnet.

 Lange Brauerei-Tradition in Leverkusen: Per Ganser-Bierwagen wurden früher (das Foto stammt von 1928) die Gerstensaft-Fässer transportiert.
Lange Brauerei-Tradition in Leverkusen: Per Ganser-Bierwagen wurden früher (das Foto stammt von 1928) die Gerstensaft-Fässer transportiert. Foto: Stadtarchiv Leverkusen

Um 1910 verlagerte sich die Braustätte nach Wiesdorf, die Gansers erwarben bei einer Zwangsversteigerung die "Germania Brauerei" für 95.000 Goldmark und gründen die "Kronenbrauerei Wiesdorf GmbH", der Vertrieb aber lief da noch von Lechenich aus. Zweiter Weltkrieg. Wiederaufbau. So, wie die Nachfrage nach Bier stieg, wuchs auch der Betrieb in Wiesdorf, hatte 1966 gut 120 Mitarbeiter. Kölsch und Pils, darunter das Alkenrather Pilsener, wurden unter anderen hergestellt, später hauptsächlich Kölsch. In den 70er Jahren erhält das Unternehmen den Namen "Ganser Brauerei".

Ende der 90er Jahre hätte Ganser "Millionen in neue Anlagen investieren müssen", sagt Diana Ganser. Das habe sich nicht gelohnt. "Wir hatten nicht solch ein Image wie Reissdorf oder Gaffel." Stattdessen entschied sich ihr Vater, Peter-Josef Ganser, die Produktion in Leverkusen einzustellen und mit Kooperationspartnern zusammenzuarbeiten.

Jetzt steht der nächste Schritt an: "Es ist schade, dass es verschwindet, wir sind stolz, unser eigenes Kölsch zu haben. Ich denke, mein Vater wird dem eine Träne nachweinen, aber auch nicht um jeden Preis der Tradition nacheifern. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt", betont die 29-Jährige und erläutert: "Die Entwicklungen im Kölsch-Absatz sind rückläufig. Das hat mit gesellschaftlichen Veränderungen zu tun: Heute geht man nicht mehr nach der Kirche zum Frühschoppen, das Kneipensterben und der veränderte Konsumwandel hin zu anderen Getränke kommen hinzu."

So ganz wird der Name Ganser nicht aus Leverkusen verschwinden Denn die Tochterfirma "G + P Gastronomie- und Event-Service GmbH", Getränkefachgroßhandel und Eventausstatter, bleibt bestehen. Möglicherweise aber nicht am Standort an der Friedrich-Ebert-Straße. Dort sind nebenan die "Bullenklöster", die ehemaligen Wohnheime von Bayer abgerissen. Seit Jahren ist immer wieder in der Stadtpolitik im Gespräch, das südliche Entree der City ansprechender zu gestalten. "Es hat auch in der Vergangenheit schon Gespräche wegen unserer Gebäude gegeben", erzählt die Geschäftsführerin von "G + P". Die Firma wolle in Leverkusen bleiben, habe hier und im Umland viele Kunden. Aber das Areal, rund 12.000 Quadratmeter, in der City sei nicht das Gelände, wo die Firma zwangsläufig bleiben müsse. Diana Ganser: "Wir sind offen für Gespräche mit Investor Paeschke."

(RP)