Leverkusen: Das digitale Klassenzimmer

Leverkusen : Das digitale Klassenzimmer

Das Landrat-Lucas-Gymnasium in Opladen hat in moderne Technik investiert. 50 iPads sollen den Unterricht wie selbstverständlich ergänzen. Die Schule verspricht sich individuelleres Lernen, doch es gibt auch noch etwas Skepsis.

Indien. Auf der Karte haben Ronja und Anna das Land mit rund 1,2 Milliarden Einwohnern schon einmal gefunden. Doch für ein mehrere Minuten langes Video reicht das noch nicht. Also suchen die beiden Schülerinnen Fotos heraus, markante Bauwerke oder prominente Menschen. Irgendwie müssen sie Indien schließlich vorstellen. In der Vorbereitung auf das Abitur in Englisch im Mai stellen Zweierteams den jeweils anderen Teams ein bestimmtes Thema vor. So soll der Stoff wiederholt werden. Geschehen soll das in Form eines Videos, so wie bei Ronja und Anna. Einziges Instrument dafür: das iPad.

Das Landrat-Lucas-Gymnasium in Opladen hat digital aufgerüstet. 50 iPads inklusive eines komplexen Zubehörs und entsprechenden Programmen hat der Förderverein für gut 45.000 Euro angeschafft. Schüler und Lehrer sollen sich die Geräte fortan für Projekte im Unterricht ausleihen können. Dafür hat jeder Schüler ein individuelles Benutzerkonto und nur eingeschränkte Zugriffsrechte im Internet. Facebook etwa ist gesperrt. Schulleiterin Gabriele Pflieger sagte gestern bei der Vorstellung des digitalen Konzepts: "Wir begreifen das iPad nicht als vollständigen Ersatz, sondern als Zusatzgewinn."

Die Schule hat sich dabei die Auswahl der Geräte nicht leicht gemacht. In Workshops vieler verschiedener Firmen habe sich herauskristallisiert, dass die Arbeit mit den Produkten des US-Konzerns Apple am sinnvollsten sei, erläutert Medienkoordinator Manfred Albrecht. Mit speziellen Apps können die Lehrer die Aktivitäten der Schüler auf den Tablets gezielt steuern, lenken und überwachen. Der Einsatz lohne sich in fast allen Fachbereichen. Für Naturwissenschaften, Fremdsprachen, aber auch Sport. Lehrer Klemens Büsch weist auf den Vorteil der flachen Geräte gegenüber den bisher üblichen Computerräumen hin. "Es fallen 20 Barrikaden weg, hinter denen sich Schüler leicht verstecken können", sagte er. Durch die Tablets habe der Lehrer alles immer im Blick.

Die Anschaffung durch den Förderverein sei keinesfalls finanziell leicht gefallen, betont der Vorsitzende Stefan Spital. "Wir sind nicht reich", sagte er. Vielmehr sei es notwendig gewesen, zwei Jahre lang zu sparen, um den Kraftakt Digitalisierung bewältigen zu können.

Dieser ist indes noch nicht beendet. Ronja und Anna finden gut, dass mit den Tablets experimentiert wird. "Das ist mal was anderes", sagt die 17 Jahre alte Anna Weber. "Nicht immer nur reine Textarbeit", ergänzt ihre Mitstreiterin Ronja Bittner (18). Wie gut sich die Inhalte tatsächlich mit digitaler Technik wiederholen lassen, wird die Zeit zeigen. Für Englischlehrerin Stefanie Udema jedenfalls ist der Kurs "Versuchskaninchen", wie sie sagt. Einzelne Schüler hätten auch schon danach gefragt, ob sie nicht auch einfach eine Power-Point-Präsentation machen könnten. Aber sie probieren das jetzt mal, mit den iPads.

(her)