Das Bayer Blasorchester bot beim Pfingstkonzert beste Unterhaltung

Bayer Blasorchester : Rhythmisch und heiter von Berlioz bis Miller

Das Bayer Blasorchester begeisterte beim Pfingstkonzert das Publikum im Erholungshaus.

Voll war der Erholungshaus-Saal gestern wieder zum traditionellen Pfingstkonzert des Bayer Blasorchesters. Aber zum Glück nicht so übervoll wie vor einigen Jahren, als für die Matinee noch freier Eintritt galt. Das Stammpublikum weiß längst, was es an diesem zweiten Feiertag erwarten kann: Musik, die in die Beine geht und ganz sicher gute Laune macht.

Das Stillsitzen fiel gestern besonders schwer, hatte das Orchester unter der Leitung von Pierre Kuijpers ein Programm aus Tänzen und Märschen zusammengestellt. Die bunte Mischung reichte von Hector Berlioz bis zu Glenn Miller und damit vom vorwärtsdrängenden Marsch in korrektem gleichmäßigem Metrum bis zu lockeren und heiteren swingenden Melodien.

Überhaupt ging es im zweiten Teil mit Einflüssen aus dem Jazz und südamerikanischer Tanzmusik etwas lockerer zu als im ersten, mehr von klassischer Musik bestimmten. Da bewegten sich die 45 Holz- und Blechbläser, die bei diesem Konzert von einer besonders starken Schlagzeug-Abteilung unterstützt wurden, abseits ausgetretener Pfade. Der Ungarische Marsch von Hector Berlioz, der hier in einem speziellen Arrangement für sinfonisches Blasorchester zu hören war, gilt in Ungarn zwar als inoffizielle Hymne. Im Konzertsaal aber steht dieser knackige Muntermacher seltener auf dem Programm.

Mit einer gewissen Eleganz hielt Pierre Kuijpers, immerhin ehemaliger Chefdirigent der Königlichen Militärkapelle der Niederlande, seine Laienmusiker zusammen. Und genauso klang dieser Marsch auch. Einerseits von Johannes Brahms’ Erfolg mit seinen Ungarischen Tänzen inspiriert und andererseits von der Volksmusik seiner Heimat durchdrungen komponierte Antonin Dvorak Ende des 19. Jahrhunderts seine beiden Bände mit Slawischen Tänzen, denen die charakteristischen rhythmischen Muster böhmischer, mährischer und benachbarter Volkstänze zu Grunde liegen.

Das Bayer Blasorchester wählte daraus den einzigen nicht tschechischen Tanz (Op. 46, Nr. 2), wohl um mit der ukrainischen Dumka, einen etwas introvertierteren, in sich versunkenen Gegenpart zu James Barnes’ rasante „Dance Variants“ im vertrackten 7/8-Takt (mit einem wundervollen Euphonium-Solo) zu setzen. Melancholie und die Weite einer verwunschenen Landschaft vermittelte dieses Arrangement, allerdings nur vorübergehend. Denn in kurzen Zwischen-Intermezzi brachen die Musiker gezielt aus der Ruhe aus. Da ging dann im Bayer-Orchester mächtig die Post ab.

Von diesen Gegensätzen lebte auch die Puszta-Suite mit vier Zigeunertänzen von Jan Van der Roost, der seine Original-Komposition für Blasorchester in der Tradition von Brahms und Dvorak geschrieben hat. Der allerdings nicht traditionelle Melodien aufgriff, sondern seine eigenen Volkstänze in unterschiedlichen Tempi und Charakteren schuf. Das war sicher einer der Höhepunkte in diesem zugleich niveauvollen wie unterhaltsamen Konzert, das Sebastian Brings im Plauderton moderierte.

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