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Darmkrebsvorsorge: Leverkusener Experte zur Frage, was jeder tun kann

Darmkrebsvorsorge : Kuscheln, Kicken, Kaffee

Der März ist der Monat, der das Thema Darmkrebsvorsorge ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken will. Was jeder für sich tun kann, warum Ballaststoffe wichtig sind und wann ein Vorsorgetermin beim Arzt fällig ist.

Der Glimmstängel ist der Feind der Vorsorge. Auf diese Kurzformel ließe sich bringen, was Professor Henning Adamek, Gastroenterologe und Leiter der Medizinischen Klinik 2 im Klinikum Leverkusen, mit dem Satz umschreibt: „Nikotin beeinflusst insgesamt die Zellreparatur. Das ist nicht nur bei Darmkrebs so, sondern auch bei anderen Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsen- und Harnblasenkrebs. Man könnte auch sagen, das Nicht-Rauchen ist die Grundlage aller Vorsorge.“ Speziell die im Bereich Darmkrebs steht im März im Fokus. „Jährlich sterben allein in Deutschland 24.317 Menschen an den Folgen einer Darmkrebserkrankung“, meldet die Felix-Burda-Stiftung, die den Monat März vor gut zwei Jahrzehnten zum Vorsorgemonat erkoren hat. „Dabei kann man kaum einer anderen Krebsart so leicht vorbeugen. Durch Vorsorge und Früherkennung könnten nahezu alle Darmkrebsfälle verhindert oder geheilt werden.“

Dass jeder in seinem Alltag etwas für die Vorsorge tun kann – auch dafür hat der Leverkusener Mediziner eine schöne Kurzformel parat: „Kuscheln, Kicken und Kaffee.“ Und eigentlich ließe sich ein viertes K ergänzen: Knoblauch. Mediterrane Kost, sagt eine europäische Studie senke das Risiko für Magenkrebs um ein Drittel, Knoblauch halbiere es. „Eine andere, verlässliche Studie besagt, dass vier Tassen Kaffee am Tag einen positiven Effekt bei der Darmkrebsvorbeugung haben“, ergänzt Adamek, rät aber auch dazu, nun nicht große Mengen Kaffee am Tag zu genießen. Ein bisschen gilt hierbei, das, was Bundeskanzlerin Angela Merkel gerne sagt: „Maß und Mitte.“

Professor Henning Adamek ist privat im Fußball aktiv. Foto: Henning Adamek

Das gilt auch für Ballaststoffe, bei denen liegt das Mindestmaß allerdings fest: 90 Gramm täglich minimieren das Risiko für viele Erkrankungen, das für „krebsspezifische Mortalität“, also das Todesrisiko, um rund 15 Prozent. „Dafür muss man aber mehr als ein Dinkelvollkornbrötchen, das vielleicht 60 Gramm hat, essen“, merkt Henning Adamek an. Die Verarbeitung der Ballaststoffe regt die Darmtätigkeit an. Das hat zur Folge, dass die Kontaktzeit des Stuhls mit der Darmschleimhaut geringer ist als bei einem trägen Darm. „Und das ist es, was wir wollen: Den Darm in Bewegung bringen, damit sich Gifte dort nicht lange aufhalten.“

Adamek schafft die Überleitung zum Thema Sport mit einem weiteren Merksatz: „Der schnellste Weg zur Toilette ist der Wanderweg.“ Mehr als 15 Minuten Bewegung am Tag tragen zur Reduktion der Krebssterblichkeit bei, Schlafmangel, also weniger als sechs Stunden innerhalb eines Tages, birgt die Gefahr von einem 50 Prozent höheren Risiko für Darmpolypen. Übergewicht sei ebenso nicht förderlich. Die Deutsche Krebshilfe hat deswegen unter anderem ein Programm initiiert, das Fußballfans ansprechen soll. „Die kann man schwer für Zumba begeistern, aber eben für ihr Thema, den Fußball“, sagt Adamek. Ein Bereich, der ihm selbst sehr liegt. Beim Programm „Fußballfans im Training“ macht unter anderem auch Bayer 04 mit, stellt entsprechende fußballerische Angebote bereit. „Erste Ergebnisse zeigen eine hohe Anwesenheits- und Erfolgsquote unter den Teilnehmern“, fasst der Mediziner zusammen.

Aber auch andere Formen von Bewegung tragen zur Darmkrebsvorbeugung bei. Adamek rechnet in so genannten MET. „Ein MET entspricht in etwa der Energie, die wir verbrauchen, wenn wir sitzen, ohne etwas zu tun. Wer 60 Kilo wiegt und eine Stunde nur rumsitzt, verbraucht in der Zeit 60 Kilokalorien“, erläutert der Leverkusener. Geht dieselbe Person eine Stunde spazieren, würden drei Met verbraucht, also 180 Kalorien. Wer joggt oder Fußball spielt, verbraucht sieben, wer Rad fährt vier, wer Golf spielt fünf, wer tanzt 4,5, wer schwimmt acht und wer im Garten arbeitet fünf Met. „Grundsätzlich ist jede Bewegung gut. Am besten, wenn man sie dreimal pro Woche macht.“

Bleibt von den drei Adamek’schen Ks noch das Kuscheln. Wer in einem großen Freundeskreis lebt, hat ein vergleichsweise gesundes Darmmikrobiom (Darmflora). Auch das haben Studien, unter anderem mit Schimpansen im Gombe Nationalpark in Tansania, bestätigt. Wer für eine gesunde Darmflora auf probiotische Joghurts setzt, um gute Bakterien im Darm zu fördern, kann dies tun, sagt Adamek, „aber das ist nicht nachhaltig“. Und ist kein Ersatz, um um eine Darmkrebsvorsorgeuntersuchung drumherum zu kommen. „Auch 2020 gibt es keine Alternative zur Darmspiegelung. Alles andere liefert keine genauen Daten“, betont der Gastroenterologe. Frauen ab 50 sollten jährlich einen Stuhltest machen, ab 55 eine Darmspiegelung, die nach zehn Jahren wiederholt wird. Bei Männern ist das Alter runtergesetzt worden. Sie sollten, abgesehen vom jährlichen Stuhltest zwischen dem 50. und dem 54. Lebensjahr bereits ab 50 Jahren zur Darmspiegelung, ebenfalls mit einer Wiederholung nach zehn Jahren.

Aus Erfahrung weiß Henning Adamek, dass viele vor der Spiegelung Angst haben, sie als unangenehm empfinden. Dabei merke der Patient von der Untersuchung nichts, weil sie in einem „Dämmerschlaf“ vorgenommen wird. „Der unangenehme Teil ist die Darmentleerung vorab mit der Abführlösung“, berichtet Henning Adamek. Deswegen sage er den Patienten kurz vor der Spiegelung immer: „Sie haben Ihren Teil geleistet, jetzt können Sie sich entspannen.“

Mittlerweile gebe es fürs Abführen auch so genannte Niedrigvolumen-Konzepte: „Dabei nehmen Patienten zwei Mal einen Viertelliter Abführlösung zu sich, die übrigen vier Liter Flüssigkeit sind nicht-alkoholische Getränke nach eigener Wahl.“ Allerdings: Das Niedrigvolumen-Konzept ist nicht für Menschen mit schweren Herz- und Nierenerkrankungen geeignet.