1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leverkusen: Danner/Mazda-Prozess zieht sich in die Länge

Leverkusen : Danner/Mazda-Prozess zieht sich in die Länge

Im Gerichtssaal 213 des Kölner Landgerichts geht es routiniert zu. Staatsanwaltschaft, Steuerfahnder und Verteidiger begrüßen sich höflich. Auch ein Plausch auf den Fluren, wenn man darauf wartet, dass ein Mitarbeiter der Justiz den Raum öffnet, mit den Zuschauern ist möglich. Aber das heißt nicht, dass es im Verfahren gegen den ehemaligen Pressechef von Mazda und den Inhaber einer Tübinger Eventagentur, die über 41 Millionen Euro veruntreut und Steuern hinterzogen haben sollen, nicht ebenso professionell zugeht. Der erste Anschein trügt lediglich.

Erst wenn alle Prozessbeteiligten - sechs Verteidiger, zwei oder drei Juristen von der Staatsanwaltschaft, zwei Steuerfahnder und zwei Ersatzschöffen zu beiden Seiten des Richtertisches Platz genommen haben und deren Namen für die Akten notiert sind — betätigt der Protokollführer die hausinterne Sprechanlage und bittet die Justizbeamten, die Herren Danner und H. in den Sitzungssaal zu bringen. Bis die beiden Angeklagten dann den Raum — begleitet von zwei Aufpassern und nicht gefesselt — betreten, kehrt kurz eine besinnliche Ruhe ein. Erst dann wird die Kammer informiert, die Tür an der hinteren Wand öffnet sich, die Anwesenden im Saal erheben sich, drei Berufsrichter und zwei Schöffen betreten den Raum. Der Vorsitzende Richter Dr. Amr Sarhan sagt: "Guten Morgen, bitte nehmen Sie Platz." Soweit ein Vorgang, alltäglich in deutschen Gerichtssälen.

Im Danner/Mazda-Prozess ist dann aber doch einiges anders. Die Verhandlung gleicht einer ruhigen Beratung. Das Gericht nimmt sich in dem komplizierten Wirtschaftsverfahren Zeit. Sehr viel Zeit, möchte man angesichts der mitunter aufregenden Gerichtsshows im privaten Nachmittagsfernsehen meinen, wenn ein Prozess im Stundentakt samt Anklageverlesung, Zeugenvernehmung und Urteilsverkündung abgeschlossen ist. Nach dem ersten Verhandlungstag konnte man noch annehmen, dass nach den Geständnissen es eher nicht zu den 35 Verhandlungsterminen kommen wird, die vorgesehen sind.

  • Leverkusen : Prozess um Ex-Mazda-Sprecher: zweiter Angeklagter geständig
  • Leverkusen : Millionen-Schaden: Ex-Mazda-Mann angeklagt
  • Leverkusen : Millionenstrafe für Ex-Mazda-Sprecher

Doch Dr. Sarhan geht sehr gründlich vor. Er lässt die Angeklagten zwei Stunden praktisch ohne Unterbrechung von ihrem Leben erzählen. Was den beiden Angezeigten nicht schwer fällt, schließlich sind sie vom Fach, der Kommunikationsbranche. Insgesamt nahm das bereits sechs Verhandlungstage in Anspruch.

Als H. zuletzt seine Vermögensverhältnisse darlegen sollte, fragte Dr. Sarhan bei der Auflistung von rund 30 Fahrzeugen, die der angeklagte Auto-Fan im Laufe seines Lebens gesammelt hat, bei jeder Position nach: Tag der Erstzulassung, wann erworben, geschätzter Wert? Das dauerte, da H. die Daten nicht alle aus dem Ärmel schütteln konnte und mitunter etwas länger nachdenken musste.

Am Ende hatte H. — nicht zuletzt wohl auch mit den unterschlagenen Geldern — ein Vermögen von grob überschlagen über elf Millionen Euro angehäuft, von Immobilien in Tübingen, der Schweiz, einer kleinen Insel in Schweden oder Immobilienbeteiligungen in Kanada und Neuseeland bis zu besagter Autosammlung mit verschiedenen Ferraris oder seltenen Oldtimern.

In den Tagen bis zur Fortsetzung des Prozesses am kommenden Dienstag können sich alle Beteiligten nicht nur ausruhen. Jeder erhielt ein dickes Paket Papier, den Jahresabschluss von Mazda zum Fiskaljahr 2010/11 (zum 31.3.). Der Richter ordnete förmlich an, dass jeder das Zahlenwerk bis Dienstag zu lesen habe — sozusagen Hausaufgaben.

Bevor also ein Urteil im Danner/Mazda-Prozess gesprochen wird, müssen noch viele Fragen geklärt und natürlich auch noch Zeugen gehört werden. Die 35 geplanten Verhandlungstage scheinen inzwischen doch tatsächlich erforderlich. Die Kammer wird noch viel Zeit brauchen.

(sg-)