Daniela Wander zu Besuch in Gottesdienst in Hitdorf

Autorin Daniela Wander zu Besuch : Auf Luthers Spuren – Polizeiarbeit im Gottesdienst

Dass in der evangelischen Fliednerkirche in Hitdorf ein besonderer Gottesdienst stattfinden soll, ist schon am Eingang zu beobachten. Polizeiabsperrband, Blaulicht und mit Klebeband ein skizzierter Körper, wo zuletzt eine Leiche gelegen haben soll – das Szenario soll die Besucher in Stimmung bringen, die sich auf den zweiten sogenannten Tat(W)ortgottesdienst freuen.

Es ist ein Trend zu erkennen, dass Kirchengemeinden ihre Gottesdienstformate neu gestalten und mit Kreativität und Engagement ihre Gemeindeglieder zusammenbringen wollen. In Hitdorf funktioniert das gut, schließlich ist die Kirche zum besonderen Gottesdienst am Sonntagabend brechend voll: „Wir freuen uns, dass so viele Menschen den Weg zu uns gefunden haben, so kurz vor dem Tatort“, sagt Pfarrerin Tanja Kraski mit Anspielung auf den wohl bekanntesten Sonntagsabend-Krimi im deutschen Fernsehen.

Eingeladen ist Bestsellerautorin Daniela Wander, die aus ihrem 2016 erschienen Buch „Tod in Wittenberg“ vorliest. „Ich muss zugeben, in einer Kirche während eines Gottesdienstes zu lesen, ist für mich schon ungewöhnlich“, erzählt sie. Aber es ginge in ihrem Buch ja auch um Luther und deshalb passe es ganz gut. Luther sei nicht nur Reformator gewesen, sondern zu seiner Zeit auch ein Mann mit Alltagsbedürfnissen und Sorgen.

Die Geschichte spielt im Jahr 1523 als seine Schriften sich durchs ganze Land verbreiteten. Katharina von Bora, die zwei Jahre später Luther heiraten sollte und von ihm immer wieder als „mein lieber Herr Käthe“ bezeichnet wurde, spielt im Buch allerdings eine größere Rolle. Eine Nonne wurde ermordet, eine weitere ist spurlos verschwunden. Das ruft die Wittenbergerin Katharina Roeseling auf den Plan, die bereits drei Jahre zuvor einen Mord aufklären konnte („Aufruhr in Wittenberg – ein historischer Luther-Krimi“). Viel mehr verrät die Autorin allerdings nicht.

Abgerundet wurde der Gottesdienst mit musikalischen Beiträgen des Blockflötenensembles Flautissimo, das die Zuhörer in die Reformationszeit vor 500 Jahren teleportiert. Vorgestellt wurden auch die neuen Konfirmanden. Anschließend wurde draußen neben Blaulicht und Absperrband beim Würstchen vom Grill und Lutherbier eifrig spekuliert, wer denn der Mörder gewesen sein könnte, bevor dann daheim der Tatort geschaut wurde.